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Gästebuch
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Eine interessante Geschichte über einen Merenberger Einwohner aus dem Jahre in etwa 1830
Auszug von den gesammelten Werken des Herrn Prof. Dr. Helmut Fischer
Der Blenne-(blinde) Hannam
Am herrlichen Schlossbergweg thront in luftiger Höhe eine Pension „Engelmann“.
Sie ist von Ost wie West nach einem kurzen Aufstieg leicht zu erreichen. Unweit davon steht das so genannte Bindenberger Häuschen, dessen letzter Besitzer Christian im Jahre 1870 bei Sedan gefallen ist. Seine Vorgänger waren Eigenbrödler, von denen im Orte so manche Besonderheit kursierte. So will ich folgende seltsame, aber einfache Geschichte erzählen, da sie an eine merkwürdige dörfliche Begebenheit erinnert.
Im Ersten Drittel des vorletzten Jahrhunderts lebte hier ein alter, fast erblindeter Mann, der in seiner hinter dem Hermestor befindlichen Klause ein richtiges Einsiedlerleben führte. Er nannte sich „Hannam“, das heißt Johann Adam, und niemand wußte, wie und wann er um sein Augenlicht kam. Trotz seines Leidens war er eine Frohnatur und versuchte sich allerorts noch nützlich zu erweisen. Am liebsten wandelte er kreuz und quer durch Merenbergs Gassen, um schließlich in den Kloppers, das ist der alte, jetzt verschüttete Burggraben, etwas zu verweilen. Er hatte aber noch andere Eigenheiten. Oft war es windig und kalt, dennoch rüstete der Blinde zu seinem exponierten Rundgang. „Wo geht nur noch der Hannam hin?“ fragten sich die Leute in der hinteren Ecke, wenn er spät abends gegen die alte Pforte lostappte. Aber schon einige Schritte hinter dem Tor war er verschwunden, als wenn ihn der Erdboden verschluckt hätte. Niemand wusste, ob er sich nach links zum tiefen Graben mit dem Brunnen, oder den rechts auf dem Berge liegenden zugewandt hatte. Seine Nachbarn wussten es: an einer geheimen Stelle im alten Graben der Höhe zu bekam er sein Gesichte. Dort hatte man ihn schon beobachtet, als er mit sich laut Zwiesprache hielt oder leise vor sich hinmurmelte. Manche meinten, es wäre Geisterbeschwörungen . Wer weiß es? Andere munkelten, er sei ein Sonntagskind und könne die Zukunft deuten. So war es anscheinend.
Wenn an warmen Sommerabenden vom Osten her die Dunkelheit heranschlich und von nahen Schlossberg die Amseln ihr Abendlied flöteten, begab sich Hannam zu seinem Lieblingsplätzchen auf eine Bank vor sein Häuschen. Hier fabelte er den „Reichweins“ und andere wissbegierigen Zuhörern, die bald immer zur Stelle waren, seine Neuigkeiten und Zukunftspläne vor. Als die neue Schule (jetzt alte) gebaut werden sollte, wusste er schon lange vorher ihren Platz in der Hofwiese. Auch andere Ereignisse, wie Kriege, Erfindungen usw. orakelte er mit einer gewissen Vorahnung seinen Hörern zu; unter anderem: Es werden eiserne Wagen ohne Gäule fahren, und den Hafer werden die Leute essen. Viele, viele Soldaten werden in großen Maschinen umherfliegen und einander bekämpfen, aber schnell wird alles vorbei sein. Dann werden unsere Frauen auf den Feldern stehen und vergeblich auf ihre Männer warten. Die wenigen Bauern, welche diese böse Zeit überleben, können dann mit goldenen Scharen ihre Äcker pflügen. Auch meinte er, manche Eltern werden sich vor ihren eigenen Kindern fürchten müssen usw.
Es würde zu weit führen, alle seine erwähnten Prophezeiungen zu nennen. Als er einmal erkrankte und sein Sehgeist ihn zusehends verließ, erlöste ihn ein schneller, von ihm selbst vorhergesagter Tod. So kam es, dass in Merenberg ein fast erblindeter Sonderling gelegentlich hellsehen konnte.
Heute sind alle seine Weissagungen durch die Ereignisse der letzten Jahrzehnte überholt, aber der Burggraben hinter dem Tor rechts, der zur Höhe führt und wo er seine vermeintlichen Inspirationen erhielt, wird immer noch der „Blenne-Hannam-Graben“ genannt. |