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Die Geschichte von Reichenborn

Reichenborn wird urkundlich das erste Mal im 14.Jahvhundert erwähnt. Um diese Zeit lebte daselbst eine Frau Eichhorns, eine nassauische Leibeigene von Dillhausen. Es mögen sich jedoch schon einige Jahrhunderte vorher Bauersleute hier niedergelassen haben, da ja die Rodung und Kulturarbeit – besonders mit dem Eindringen der Franken – von den Tälern zu den Höhen hinauf rasch fortschritt. Jedenfalls war die Besiedlung des Oberlahnkreises um 1100 abgeschlossen. Reichenborn hat sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem typischen Haufendorf mit kreuz und quer stehenden Gebäuden entwickelt. Um 1100 wurde Dynast von Merenberg vom Bischof in Worms zum Vogt über die Dörfer Merenberg. Allendorf, Hasselbach. Selbenhausen. Reichenborn. Neunkirchen, Hüblingen und Rückershausen bestellt. Barig existierte damals noch nicht. Der letzte Merenberger, Hartrad VI., starb 1325. Ihn beerbte seine Tochter Lisa. die Johann von Weilburg heiratete. So kamen diese Dörfer zur Grafschaft Weilburg. Denn die Wormser Lehnshoheit bestand damals nur noch dem Schein nach. Im Jahre 1435 überließen die Waldboten von Pfaffendorf den Zehnten vom Bistum Worms dem Grafen von Nassau-Weilburg. Ferner belehnte Worms 1486 und auch in der Folgezeit, zuletzt 1785 die Nassau-Weilburger mit dem oberen und niederen Gericht zu Reichenborn. Dazu wird erläuternd bemerkt. dass um die Jahrtausendwende der Deutsche Kaiser Otto III., dem Domstifte zu Worms viele dem Reich gehörende territoriale Gebiete schenkte. Wie zum Beispiel am 27.9.1000 allen Wald und alles Ackerland zwischen Nenderoth und dem Ulmbach. Wozu auch Reichenborn gehörte. So war das Bistum Worms Besitzerin dieses Landstrichs geworden und konnte dessen Zehnten, Gerichtsbarkeit, etc. anderweitig vergeben. Die Weilburger Grafen suchten nun durch Erwerbung solcher Belehnungen ihren Einfluss daselbst zu stärken. Im 30jährigen Krieg hatte auch Reichenborn unter der Raubsucht und Grausamkeit der Truppen viel zu leiden. Besonders schlimm hausten die kaiserlichen Soldaten des Generals Mansfeld im Frühjahr 1635, als sie von Dillenburg her über den Westerwald an die Lahn zogen. Im Jahre 1776 verlieh Fürst Karl von Nassau-Weilburg die bisher zu Merenberg gehörige Plätterwiese – jetzt noch Herrenwiese genannt – der Gemeinde Reichenborn in Erbbestand als Entschädigung für den ihr bei dem Löhnberger Austausch entzogenen Weidegang. An besonderen Vorkommnissen nach den Freiheitskriegen sind zu erwähnen: Im Sommer 1822 war eine derart große Hitze, dass ”verschiedene Personen in der Heuernte tot darniederfielen.” 1838 war ein langer kalter Winter. 1839 wurde das Neujahr-Einläuten von 12 bis 1 Uhr eingeführt, um die Burschen vom Schießen abzuhalten. Am 24. Juni 1839 fand das erste Kirchweihfest statt. Das vom Sonntag bis Donnerstag dauerte, wobei Pfarrer Jüngst am Sonntag über die „wahre Feier im christlichen Sinne” predigte. Am 17. August 1846 wurde Schulvorsteher Wilhelm Horz auf dem Lahrer Markt bei Schlichtung eines Streites zwischen den Merenbergern und Reichenbornern so geschlagen. das er tags darauf starb. Im Revolutionsjahr 1848 erschien zuerst ein Gesetz über die provisorische Gemeindeverwaltung und dann am 12. Dezember über die neue Gemeindeordnung. Danach mussten die als Sündenböcke angesehenen Herzoglichen Schultheiße verschwinden und an ihre Stelle wurden Bürgermeister mit einem Gemeinderat gesetzt. Zum Bürgermeister wurde der alte Schultheiß Meuser mit 50 Gulden Gehalt wieder erkoren. Auch setzten die Bürger ihm einen geschmückten Maibaum vor sein Haus. Aus Freude und Dankbarkeit gab dann der erste Reichenborner Bürgermeister seiner Gemeinde ein freies Mahl und Tanzmusik an zwei Tagen. 1857 erbauten die Reichenborner an ihrem Backhause ein Leiterhaus, und 1887 ein Spritzenhaus am neuen Backhause. 1871 starben in Reichenborn 12 Leute an der Pockenkrankheit. Die Einwohnerzahl betrug 1825: 265, 1865: 380 und 1925: 261, sie hat also eine rückläufige Bewegung gemacht, ist aber in den folgenden 40 Jahren wieder angestiegen und betrug 1968  312. Reichenborn war kirchlich stets mit Merenberg verbunden. Merenberg war aber bis zur Einführung der Reformation in Nassau-Weilburg. Also bis zum Übertritt seiner Bewohner zum evangelischen Glauben (um 1530). kirchlich Lahr unterstellt. Die aus heimischen Basaltsteinen erbaute spätromanische Kapelle Reichenborns war wohl ursprünglich eine Wehrkirche. Ihre Entstehung reicht bis ins ausgehende 13. Jahrhundert zurück. Also wurde sie in der Zeit erbaut, als die Reichenborner noch katholisch waren.

Reichenborn heute

Im Zuge der in Hessen durchgeführten Gebietsreform verlor Reichenborn 1971 seine Eigenständigkeit und wurde mit den Orten Rückershausen. Barig-Selbenhausen, Allendorf und Merenberg zur Großgemeinde Merenberg zusammengeschlossen. Die Einwohner der Großgemeinde wählten ein neues Ortsparlament, das wiederum den neuen Bürgermeister zu bestellen hatte. Die Wahl fiel auf Herrn Erich Meuser aus Reichenborn. Die Mitgift, die Reichenborn in diese Ehe mit einbrachte, fand allgemein Anerkennung und Lob. Gerade die geringe Einwohnerzahl in Reichenborn, die Verantwortlichkeit des Einzelnen für das Gemeinwohl und ein reges Gemeindeparlament schufen die Voraussetzungen für einen raschen kulturellen und sozialen Aufschwung in den vergangenen Jahren. Hierbei sind die ortsansässigen Vereine. wie Gesangverein, Sportverein und Freiwillige Feuerwehr, ebenso zu nennen, wie das persönliche Engagement des Reichenborner Lehrers, Herrn Erich Brinkmann. Er und seine Schüler haben wesentlich dazu beigetragen, dass Reichenborn 1963 erstmals an dem Wettbewerb ”Unser Dorf soll schöner werden” teilnahm und einen hervorragenden 2. Platz belegte. Dieses Ergebnis konnte in den nachfolgenden Jahren viermal wiederholt werden. Seit der Schließung der Reichenborner Volksschule im Jahre 1968 besuchen die Grundschüler die Albert-Wagner-Schule in Merenberg, anschließend die weiterführenden Schulen in Merenberg, Waldernbach, Weilburg und Limburg. Der Ort selbst erfuhr in den letzten Jahrzehnten eine deutliche Aufwertung. Im Zuge der Dorfverschönerung wurden der Friedhof. die Dorfmitte und ein Kinderspielplatz neu gestaltet. In den Jahren 1967, 1968 und 1969 konnten eine Friedhofshalle, ein Feuerwehrgerätehaus und ein Dorfgemeinschaftshaus ihrer Bestimmung übergeben werden. Einen vorläufigen Abschluss und Höhepunkt dieser Entwicklung stellen das 1971 fertiggestellte beheizbare Freibad und der 1976 erfolgte Ausbau der Ortsdurchfahrt dar. Während noch bis in die siebziger Jahre viele landwirtschaftliche Betriebe existierten. Vollzog sich in den folgenden Jahren ein spürbarer Wandel in der Wirtschaftsstruktur der Region. Auch die Gemeinde Merenberg wurde allmählich zu einer Arbeiterwohngemeinde. Dieser Entwicklung trug die Gemeinde durch die Ausweisung von Gewerbegebieten bzw. durch die Ansiedlung von Industrie- und Handwerksbetrieben Rechnung. Geprägt wurde diese Phase der Umstrukturierung, in der auch viele Einrichtungen der kommunalen Daseinsfürsorge (Dorfgemeinschaftshäuser. Kindergarten, Sportstätten usw. ) geschaffen wurden, vor allem durch den von 1971 bis 1992 amtierenden rührigen Bürgermeister Erich Meuser. Durch die relativ guten Verkehrsanbindungen in den Raum Wetzlar/Gießen und in das Rhein-Main-Gebiet bedingt, besteht zunehmendes Interesse an Baugrundstücken. Die wohnortnahen Arbeitsplätze, günstige Baulandpreise und eine intakte Umwelt haben dazu beigetragen, dass die Einwohnerzahl Reichenborns auf mittlerweile 527 angestiegen ist. Der rasche Anstieg der Einwohnerzahl ist nicht zuletzt auf den Zuzug von Aussiedlerfamilien und von ausländischen Mitbürgern zurückzuführen. Die hier Wohnmöglichkeiten gefunden haben. Es bleibt zu hoffen, dass die Gemeinde die anstehenden schwierigen Zukunftsaufgaben bewältigen kann, damit die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger nicht beeinträchtigt wird.

Quellen: Territorialgeschichte des Oberlahnkreises, von May: Die Merenburgk und ihre Dynastien. von Schmidtborn; Staatsarchiv Wiesbaden, Nass. Landesbibliothek. Schulchronik Reichenborn, Feuerwehrchronik Reichenborn. 
Wir danken für die freundliche Genehmigung der Akzidenzdruckerei Becker Merenberg für die Benutzung dieses Textes. Genauso danken wir Herrn Thomas Schmidt von der Freiwilligen Feuerwehr Merenberg, der uns die Festschrift der Reichenborner Feuerwehr zur Verfügung gestellt hat.

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