Geschichte Barig.

Startseite
Nach oben

Bitte schreiben Sie doch mal in unser Gästebuch.
Gästebuch

Aus der Geschichte Barig-Selbenhausen
von Werner Otto

Barig-Selbenhausen,  der Name weist darauf hin, bestand eigentlich aus zwei Ortschaften, nämlich  Barig und Selbenhausen,  die etwa einen Kilometer voneinander angelegt worden sind. Beide verbindet die Schulstraße, die früher auch Mühlweg genannt wurde, denn das Längstal durchfließt der Vöhlerbach, der früher 13 Mühlen antrieb, von denen aber keine mehr arbeitet. Inzwischen sind die beiden Ortsteile an der Schulstraße fast zugebaut. Eine liebliche Landschaft umgibt den Ort, der einige Jahre lang sogar Feriengäste aus dem Ruhrgebiet anzog. Mit Laubwald bestandene Höhen umrahmen das Tal, an dessen NO-Ende der Almerskopf (364 m), auf dem um die Zeitenwende eine Fliehburg bestand, und an dessen SW-Ende die Burgruine Merenberg zu sehen ist. Ein Höhenzug im N mit dem Rödern (397 m) und ein Höhenzug im Süden  mit Höhburg, Roter Kopf und Hinterer Kopf begleiten den Lauf des Vöhlerbaches. 

Doch noch ehe der Ort entstand, bewohnten Menschen diese Gegend.  Erste Ansiedlungen  erfolgten bereits um 500 v. Chr. Davon zeugen 24 Grab-Hügel in der Schnersbach, Distrikt 85, in der Nähe des Forsthauses, in der Höhenlage von ca. 270 m über NN. Sie wurden etwa 1925 entdeckt und von Forstmeister Behlen untersucht. Er fand zwei Paar vollbronzene Halsringe und Reste eines Leichenbrandes aus der Späthallstattzeit. Bedeutendste vorgeschichtliche Stätte jedoch ist der Almerskopf,  ein Basaltkegel im Distrikt 8 des Barig-Selbenhäuser Gemeindewaldes. Auch er war zunächst schon während der Hallstattzeit besiedelt gewesen, wie dies nach dem Fund einer größeren Brandstelle unmittelbar auf der Sohle des Berges als erwiesen gilt. Nach dieser ersten Besiedlung erfolgte die Rodung des Waldes und das Urbarmachen, wobei die vom Pflug freigelegten Steine zu Ackerrainen aufgeworfen wurden. Es entstand die Terrassenkultur, die das Betreiben des Ackerbaues bis auf die Berge ermöglichte. Durch seine beherrschende Lage am Kreuzungspunkt großer, in vorgeschichtlicher Zeit bedeutender Straßenzüge und seine auffällige Gestalt reizte der Almerskopf zur Anlage eines befestigten Stützpunktes. Er wurde Glied einer langen Kette von Ringwällen, die sich aus dem Siegerland über den Hohen Westerwald bis in den Taunus hinzog. Die Herren der Ringwälle waren zunächst vermutlich die Kelten. Sie wurden jedoch später durch die von Norden nach Süden ziehenden Chatten verdrängt. Die bauten die Wälle weiter aus, auch unseren Almerskopf. Funde im ”Alten Rain” unter dem Wall und unter dem ”Alten Ackerboden” ließen Behlen zu dem Schluss kommen, dass die Wallanlage ausschließlich auf die Laténezeit (500 bis 0) zurückging. Die gefundene Keramik im Wallschnitt lässt das Behaghel, einen anderen Forscher, bestätigen und die Zeitenwende dafür annehmen. Damals standen die Römer am Limes, ihrer Grenzbefestigung mit der Saalburg. Die Kette der Ringwälle bildete also die gegenüberliegende Frontseite. Ein mehrfach gestaffeltes Wallsystem schützte die Vorderseite (Angriffsseite) des Berges. Kusch, ein Wissenschaftler, nimmt eine Gesamthöhe von 4 m an und damit ein hoch aufragendes Befestigungswerk.

Die Mauern bestanden aus Holz und Steinen. Die Eingänge sicherten je zwei Türme. Wohlgeschützt stand auf der Höhe des Berges eine Siedlung von 14 kleinen rechteckigen Häusern, die den bei Gefahr auf dem Kopf Schutzsuchenden Obdach gewährte.

Die Römer blieben Sieger über die Chatten und den Almerskopf. 83 n. Chr. sind die Wälle im Chattenkrieg Domitians zerstört worden. Ein Teil wurde während der Kampfhandlungen, ein anderer als Erfüllung der Friedensbedingungen geschleift. Der Untergang des Almerskopfes erfolgte plötzlich. Ausgrabungen an der oberen Mauer ergaben, dass die Mauer der sich dort angelehnten Schmiede noch während das Feuer brannte und hier gearbeitet wurde – einstürzte und die Schmiede mit ihrem Inhalt begrub. Ungewiss blieb das Schicksal der Bewohner. Es ist möglich, dass sie sich durch die Flucht retteten und an anderem Ort ansiedelten. Sie können aber auch als Sklaven verschleppt worden sein. Der Berg vermag keine Antwort mehr zu geben. Heute bildet der obere Wall ( Hauptwall ) einen etwa 20 bis 50 cm hohen, etwa  7  bis 10 m breiten Steinwall und besteht aus 30 bis 50 cm dicken und 50 bis 75 cm langen, auf der Höhe des Berges gebrochenen Basaltsäulen. Er verläuft anfangs auf fast gleichbleibender Höhe am Rande des Basaltbruches bis zu dem von N kommenden heutigen Zufahrtsweg, der durch das ehemalige ”AuSentor” führt. Vor wenigen Jahren sollen die Wälle noch wesentlich besser als heute zu erkennen gewesen sein. Von Interesse dürfte sein, dass der Almerskopf bis 1810, der Erneuerung des Flurbuches, ”Altenburger Kopf” hieß. Heute noch trägt ein Flurstück am Fuße des Berges die Bezeichnung ”Vor der Altenburg”, der umliegende Wald den Namen ”Wald Altenburg”. Am Nordabhang befinden sich scharf ausgeprägte Ackerraine, die dem Laufe der Schichtlinien folgen. Wie das Gebiet des Almerskopfes, waren auch die umliegenden Höhen Hinterer Kopf, Roter Kopf sowie Höhburg besiedelt.

   
Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

Über tausend Jahre scheint sich dann nichts Bedeutendes in unserer Umgebung ereignet zu haben. Spielmann, der die Geschichte Weilburgs studierte, berichtete vom Wissen um eine Sage, wonach die Herren von Schelm (Schelme von Hausen) auf dem Almerskopf eine Burg gehabt hätten, historisch sei allerdings nichts nachzuweisen. Aber nicht der Almerskopf, sondern Merenberg übernahm eine wichtige historische Rolle. 1062 wurde auf dem Basaltkegel, der unser Tal im SW abgrenzt, eine Burg gebaut. Sie hieß zunächst, wie auch die Ansiedlung, Marinberg. Ihre Herrschaft erstreckte sich später auch über  Selbenhausen.  

Der Ortsname tauchte im Laufe der Jahrhunderte abgewandelt auf. 1364 als Schelmenhusin, 1489 als Schelmenhaußen, 1760 in einer amtlichen Aufstellung Barig und Selbenhausen, 1778 als Schelmenhausen. Würde man seinen Namen auch heute noch nach Gehör und Gutdünken- wie damals die Chronisten- schreiben, hieße er gewiss nicht Selbenhausen, sondern Schelmhause.

1364 verkauften Eberhard von Merlau und seine Söhne Eberhard und Lutze ihr Gut zu Schelmenhusin. 1435 überließen die Walpode von Pfaffendorf den von Worms lehnrührigen Zehnten an Nassau-Saarbrücken. Worms belehnte mit 1/2 Zehnten 1486 Rulmann Walpode von Pfaffendorf. Nach dem Tode von Melchior Walpode 1622 belehnt Worms die von Walderdorf im Jahre 1625 mit Schelmenhaußen. Bis 1723 wurden die von Walderdorf als Erbleihpächter von Schelmenhaußen genannt.

Worms belehnte auch Nassau- Saarbrücken mit hohem und niederem Gericht zu Selbenhausen, insgesamt zwölfmal zwischen 1486 und 1778. 1613 quittierte Wilhelm von Nassau über 350 Gulden für den dem Grafen Ludwig von Nassau-Saarbrücken verkauften Wald Riepel, der einst von den Stummelschen Erben erworben worden war. Spielmann, Vogel und K. H. May waren sich darüber, ob 1415 und 1433 Adlige von Selbenhausen existierten, nicht einig. 1416 lebte ein Heinrich von Selbenhausen als Bürgermeister von Weilburg, 1433 Hilde von Selbenhausen als Bürgerin von Weilburg. Glieder dieser Familie wurden in den Jahren 1420,1423,1429,1442,1453 und-1454 genannt. Sie alle waren jedoch bürgerlich, auch der 1279 aufgeführte Heinrich von Selbenhausen.  Barig  fand erst später Erwähnung. Jeder Chronist deutete seine Entstehung anders. Gregor, Autor des Merenberger Heimatbuches, fand, dass die Ziegenhainsche Mühle, auch Amts- oder Neumühle genannt, 1413 Mühle ” Zu dem Barge ” hieß. In einer Urkunde von 1489 war die Rede von einem Einwohner von Selbenhausen, der sich Hengin Slan zum Borge schrieb und sich vermutlich am anderen Ende des Tales ansiedelte. ”Barge” und ”Borge”, sprachlich leicht zu verwechseln. Bedenkt man, dass die Namen ja noch nicht so eindeutig wie heute erfasst waren, so ist es durchaus möglich, dass das Haus ”Zu dem Barge” mit besagtem ”Zum Borge” identisch ist. Hier können nur Vermutungen ausgesprochen werden. Spielmann vermutete eine Umbenennung des im Dreißigjährigen Krieges untergegangenen Ortes Potenhan (oder Potenhain ) in Barig. Sicherlich haben die Bewohner der noch 1646 zerstörten Ansiedlungen Potenhan, Obervöln und Niedervöln zu einer wesentlichen Zunahme der Bevölkerung Barigs geführt. Seit diesem Jahre erinnern die zwei Türme der Burgruine Merenbergs an jene furchtbaren Tage der letzten Jahre des Dreißigjährigen Krieges. Unser Barig-Selbenhausen scheint von den Kriegswirren verschont worden zu sein, denn Bemerkungen hierüber sind nicht zu finden.

Wie Merenberg, so unterstand auch unser Ort Worms. Die Bauern hatten Frondienste zu leisten und Abgaben zu zahlen. Das geschah an die Herren, die jeweils mit dem Dorfe belehnt worden waren.

Eng mit der Entwicklung Barig-Selbenhausens waren  die alten Mühlen  im Vöhlerbachtal verbunden. Zwischen Seeweiher und Vöhler Weiher befanden sich allein 7 Mühlen. Zwischen Vöhler Weiher und Selbenhausen waren weitere 6 Mühlen.

Die Neumühle  liegt ungefähr 400 Meter oberhalb des Dorfes Barig und dessen Gemarkung. Das Jahr ihrer Erbauung liegt vor 1691. Um diese Zeit betrieb die Mühle Adam Horz, welcher sie von Christian Weidmann übernommen hatte (der später in Probbach wohnte). Auf Johann Adam Horz, der 1737 starb, folgte Christian Horz. Diesem wurde  1757  gestattet, seinen 16 Achtel Kornkanon zu je 3 fl. abzulösen. Er hatte als Nachfolger Wilhelm Horz und ab 1807 Georg Horz. Für die Übertragung der Erbleihe musste er 800 fl. sogenannten Kaufschilling dem Landesherrn zahlen sowie jährlich einen Kanon nebst Gewürzgeld und sonstigen kleineren Abgaben. 1821 übernahm der Schwiegersohn von Georg Horz, Christian Jung aus Westerburg, die Neumühle, der sie aber 1835 seinem Schwager Johann Georg Horz überließ. Christian Jung ist der Ahnherr der in Barig-Selbenhausen so weit verbreiteten Sippe ”Jung”. Johann Georg Horz folgte sein Sohn Philipp Adam Horz, verheiratet mit Charlotte Römer; danach waren also 6 Generationen der Sippe Horz Erbbeständer der Neumühle. 1876 wurden als Eigentümer Peter Georg Würz und dessen Ehefrau, geborene Neuser, sowie Wilhelm August Schmidt und dessen Ehefrau, geb. Neuser, genannt. Von 1878 bis 1883 war Heinrich Grün aus Obershausen Besitzer. Dann stand die Mühle still, ihre Wohnräume waren an Johann Georg Jung aus Barig vermietet. 1886 hat Theodor Adam Strobel aus Selbenhausen sie käuflich erworben und 1905 an Richard Engelmann, seinen Schwiegersohn aus Barig-Selbenhausen, abgetreten. Von ihm erwarb sie 1931 Jakob Ziegenhain aus Weidenhausen bei Biedenkopf. Er starb 1957, womit auch der Mühlenbetrieb endete. Ludwig Hase erwarb danach das Anwesen.  

Bariger Mühle, auch Pfeffer-, später Bonne-Mühle
Zum Vergrößern auf das Bild klicken.
Bariger Mühle, auch Pfeffer-, später Bonne-Mühle

Etwa 650 Meter weiter, unmittelbar im Dorfe, liegt die  Bariger-  oder  Pfeffermühle.  Sie wurde 1738 von Schultheiß Meurer erbaut, sie besaß dann 1741 Jakob Schamp, 1744 Jakob Zipp, 1754 Philipp Matern und 1759 Johann Heinrich Pfeffer, nach dem die Mühle ihren zweiten Namen hat. Auf Pfeffer folgten von der Sippe Wagenknecht vier Generationen: Philipp Christian, Georg Philipp und Wilhelm. Nach dessen Ableben im Jahre 1907 in Folge einer Darmverschlingung, die er sich beim Heben eines Sackes zugezogen hatte, heiratete seine Witwe Adolf Engelmann, der ebenfalls 1928 durch einen Unglücksfall ums Leben kam. Seine Witwe übergab dann 1939 den Betrieb an ihren Schwiegersohn Adam Walther. Der Mühlenbetrieb wurde in den fünfziger Jahren eingestellt. Walther starb 1996, nach dem Tode seiner Ehefrau übernahm 1998 der Sohn Karl das Anwesen. 

Selbenhäuser Obermühle, auch Strobels Mühle
Zum Vergrößern auf das Bild klicken.
Selbenhäuser Obermühle, auch Strobels Mühle

Die Müllerfamilie Engelmann 1928 bei der Arbeit. Sohn Otto kann schon mit dem Besen helfen. Töchterchen Frieda möchte auch schon mithelfen. Mutter Minna schirmt den laufenden Treibriemen vom Walzenstuhl ab, damit nichts passiert.  

Etwa 410 Meter weiter, ungefähr in der Mitte der beiden Ortsteile, gegenüber der alten Schule” liegt die  Selbenhäuser Obermühle,  anfänglich auch  Schneemühle,  nach ihrem Erbauer, dann kurzweg  Selbenhäuser Mühle  und auch  Strobels Mühle  genannt. Die Mühle wurde 1699 oder 1709 von Johann Christian Schnee auf herrschaftlichem Grund und Boden errichtet. 1719 erfolgte die Erneuerung der Konzession, was alle 10 Jahre zu geschehen pflegte. An Erbleihpacht mussten jährlich 12 Achtel Korn und 2 fl. Gewürzgeld entrichtet werden, die später in Geld = 3mal 12 +2 = 38 fl. abgelöst werden konnten. Der Sohn trat 1725 seinen Anteil an seinen Schwager Wilhelm Horz ab. Dessen Tochter heiratete den Müller Strobel, der sein Nachfolger wurde, aber bald darauf starb. Ihm folgte als Erbpächter sein Sohn Johann Philipp Strobel, der schon 1795 verschied. Mit seiner zweiten Frau hatte er fünf Kinder. Bei der Erbteilung fiel ihrem jüngsten Sohne Johannes Georg Strobel die Mühle 1814 zu. 1843 war Georg Engelmann Erbpächter dieser Mühle, 1851 Johann Georg Wilhelm Strobel, 1869 sein Schwiegersohn Konrad Engelmann Erbpächter. Die Erbleihe fand 1877 ihr Ende. Zu ihrer Ablösung mussten während 41 1/12 Jahren alljährlich 137,11 M und 17,14 M für Wasserzins bezahlt werden. Die Mühle besaß seit 1920 sein Sohn Otto Engelmann. Nach seinem Tode übernahm 1960 dessen Sohn Otto (geb. 1921) die Mühle. Ihr Betrieb wurde 1978 eingestellt. Nach seinem Ableben,1984, ist Sohn Otto (geb. 1952) Eigentümer des Anwesens.

400 Meter unterhalb der Obermühle liegt die Selbenhäuser Untermühle.  Sie wurde 1835 von Schultheiß Johann Engelmann erbaut. Sie wurde auch  Scholtessemühl  genannt. Dem Erbauer folgte dessen Sohn Friedrich Wilhelm Engelmann, hierauf 1877 der Enkel Karl Engelmann, der 1884 starb, weshalb die Mühle zur freiwilligen Versteigerung kam. Sie wurde von Adolf Strobel aus Mademühlen für 14 000 M erworben. Sohn Heinrich Strobel übernahm 1929 den Betrieb, ab 1951 Walter Strobel, 1977 wurde der Mühlenbetrieb aufgegeben. Nach dem Ableben Walter Strobels fand das Anwesen in Dr. Alberts einen neuen Besitzer.

Selbenhäuser Untermühle, auch Scholtessemühl genannt
Zum Vergrößern auf das Bild klicken.
Selbenhäuser Untermühle, auch Scholtessemühl genannt

Während der Jahre  nach dem Dreißigjährigen Krieg bis 1800  ist nichts Bedeutendes zu finden. Die amtlichen Einwohnerzahlen wiesen 1825 204 Einwohner in Barig-Selbenhausen aus, 1865 271, 1905 283. Der 1. Weltkrieg riss beträchtliche Lücken in die Familien. Eine sorgfältige Aufstellung in der Ortschronik der von 1914 bis 1918 zum Kriegsdienst eingezogenen Männer vermittelt ein genaues Bild über deren Schicksale. Die meisten kämpften an jenen Brennpunkten, die uns noch heute Begriffe sind: Verdun, Somme. 16 kehrten nicht mehr zurück, wovon eine Gedenktafel an der Friedhofskapelle kündet. Eine Schilderung berichtet davon, wie die Kriegspsychose auch unsere ahnungslosen Leute erfasste. So standen zu Beginn des Krieges an den Ortseingängen Posten mit Vorderladern pflichtgetreu Wache. Es hieß, dass ein Goldtransport der Feinde von Russland nach Frankreich durch unser Land geführt würde. Auch die Brunnen bewachte man, um deren Vergiftung durch feindliche Spione, die man überall vermutete, unmöglich zu machen. Bereits nach dem 1. Weltkrieg  begann eine lebhafte Bautätigkeit. Es entstanden die Häuser an der Reichenborner Straße, im Volksmund auch Kaiserstraße tituliert, und Gebäude zwischen den Ortsteilen an der Schulstraße. Die Einwohnerzahl stieg 1939 auf 361. Fast alle Einwohner betrieben eine kleine Landwirtschaft, die jedoch allein nicht die Familie ernährte. So verdingten sich manche in den naheliegenden Zechen, im Steinbruch auf dem Rödern, auch unter Neudorf bekannt, oder als Saisonarbeiter im Ruhrgebiet. Einige blieben dort, heirateten und gründeten eine Familie. Aus dem 2. Weltkrieg, der großes Leid brachte, kehrten 23 Männer nicht zurück. Auch davon zeugt eine Gedenktafel an der Friedhofshalle. Auch unser Dorf erlebte die Schlussphase dieses totalen Krieges. Amerikaner besetzten es, deutsche versprengte Soldaten auf dem Rückzug fanden in den Einwohnern christliche Helfer. Zahlreiche Vertriebene, vor allem aus dem Sudetenland, fanden erste Notunterkünfte und schließlich hier eine neue Heimat. Die Einwohnerzahl stieg beträchtlich an. Der folgende wirtschaftliche Aufschwung  nach dem 2. Weltkrieg  wirkte sich auch in Barig-Selbenhausen aus. Wieder setzte Bautätigkeit ein. Die Lücken zwischen den Ortsteilen an der Schulstraße verminderten sich auf beiden Seiten. Die Häuserzeile ”Auf dem Hohen Rain” entstand. Nördlich davon, am Waldrand, wurde das Viertel der sogenannten Landhäuser mit 11 Häusern errichtet. Damit überschritt die Bevölkerungszahl die 500. Ein prächtiges Dorfgemeinschaftshaus konnte als kultureller Mittelpunkt 1966 eingeweiht werden und dem Jubiläumsfest der Feuerwehr dienen. Besonders die letzten 25 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges standen im Zeichen wachsenden Wohlstandes, Kühlschrank und Waschmaschine zählen zum selbstverständlichen notwendigen Inventar jedes Haushaltes. 1956 waren auf 7 Dächern Fernsehantennen zu sehen, heute befindet sich in jedem Haushalt mindestens 1 Fernsehapparat, mit dem durch die Verkabelung fast 30 Programme empfangen werden können. 1955 registrierte man 5 Autos, heute kann man mehrere vor einem Haus parken sehen. Alle Wohnungen besitzen einen Fernsprechanschluss. Betrieben alle Einwohner gezwungenermaßen noch eine kleine Landwirtschaft, existiert jetzt nur noch ein landwirtschaftlicher Betrieb. Von den ehemals 4 Mühlen und 5 Geschäften besteht nur noch eine Bäckerei, von 4 Gastwirtschaften nur noch eine. Der Wandel der Zeit ergriff also auch unser Dorf. 1971 erfolgte der Zusammenschluss von Merenberg, Barig-Selbenhausen, Reichenborn, Rückershausen und Allendorf zur Großgemeinde Merenberg mit Zentrum in Merenberg und einem gemeinsamen Parlament. Jeder der Ortsteile wird durch den Ortsbeirat mit Ortsvorsteher vertreten. Rege Bautätigkeit ließ  2 Neubaugebiete  entstehen, in  Selbenhausen  12 Häuser am Tulpenweg (von August 1966 bis November 1992), 12 am Rosenweg (von Juli 1986 bis März 1995), 15 am Fliederweg (von Juli 1995 bis Dezember 1999) – in  Barig  4 Häuser am Buchenweg (von September 1970 bis November 1994), 12 am Eichenweg (von Juni 1974 bis Mai 1990), 7 am Tannenweg (von September 1970 bis Mai 1982). Am 6. Januar 2000 wohnten laut Statistik in Barig-Selbenhausen 718 Einwohner in 225 Häusern. Die Gemeinde baute eine neue Friedhofskapelle und einen Kindergarten. Es vollzog sich neben dem strukturellen und materiellen Wandel auch ein kultureller. Diese Entwicklung soll durch einen Abriss der Geschichte unserer einstigen Dorfschule  deutlich werden: Bis 1781 besuchten die Kinder von Barig-Selbenhausen die Schule zu Merenberg. Der erste von der Gemeinde angenommene Lehrer war Heinrich Ernst Wenzel von Weinbach. Bis 1812 nahm die Gemeinde nacheinander 10 Lehrer an. Die häufig wechselnden Lehrer hielten in zwei von der Gemeinde gemieteten Stuben abwechselnd, bald in Barig, bald in Selbenhausen, Unterricht. Der Schulmeister hatte freien Tisch bei den Eltern, bei jedem Schulkind reihum einen Tag. Am 23. Oktober 1820 fand der erste Unterricht im neuerbauten Schulhaus, das in der Mitte der beiden Ortsteile errichtet wurde, statt. Es kostete ca. 1800 Gulden. Die 44 Kinder wurden in 2 Gruppen zu je 4 zusammengefassten Jahrgängen unterrichtet.17 Lehrer leiteten bis 1969 die Schule, am längsten Herr Althen (bis 1852 ) und Herr Heymann (von 1874 bis 1895), der nebenbei noch Landwirtschaft betrieb und dessen Nachkommen heute noch im Ort ansässig sind. Bereits 1822 stellte man fest, dass die Schule falsch angelegt war. 1910 bemerkte Lehrer Kirmse: ” Am Schulhaus selbst sollen keine baulichen Reparaturen mehr vorgenommen werden, da sich die Gemeinde zu einem Neubau entschlossen hat, der bereits in kurzer Zeit begonnen werden soll.” Sie wurde renoviert – aber keine neue gebaut. Bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts fand der Unterricht in dem einen Klassenzimmer durchweg einklassig statt. Durch zunehmende Schülerzahl, besonders durch die gewaltsame Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten, mussten zwei Klassen gebildet werden. Der sogenannte Schichtunterricht begann. Eine Klasse ging vor-, die andere nachmittags in die Schule. Dafür stand eine zweite Lehrkraft zur Verfügung. Nachteilig wirkte sich besonders der Nachmittagsunterricht aus. Diese Tatsache und das immer deutlicher werdende Drängen maßgebender Stellen nach Errichtung von Mittelpunktschulen, deren erste die von Merenberg/Allendorf im Oberlahnkreis wurde, führten schließlich dazu, dass ab Ostern 1962 die Schüler der Oberstufe (5. bis 8. Schuljahr) mit dem Schulbus nach dort fuhren. Die Unterstufe verblieb bis 1969 im Ort. Und so besuchen – wie bis 1781 – alle Kinder der Unterstufe und ein Teil der Hauptschüler die Albert-Wagner-Schule in Merenberg. Ein großer Teil der Mittelstufenkinder besucht das Gymnasium in Weilburg oder die Realschule in Weilburg oder Waldernbach. Viele der ehemaligen Dorfschüler sind heute Lehrerinnen oder Lehrer der verschiedenen Schultypen, einige brachten es zum Rechtsanwalt, Stabsoffizier der Bundeswehr, Diplomingenieur, Ingenieur, Förster, Beamten in den Behörden, zu gefragten Mitarbeitern der unterschiedlichsten Branchen. Auch in der Kommunalpolitik nehmen Barig-Selbenhäuser Frauen und Männer wesentliche Funktionen wahr: als Vorsitzender der Gemeindevertretung, Mitglied des Gemeindevorstandes, Gemeindevertreter/in, Ortsvorsteher, Mitglied des Ortsbeirates. Sie wirken mit in der Feuerwehr, in den Vereinen: Gesangverein, Turn- und Sportverein, Landfrauenverein, VdK, Frauenchor sowie in den politischen Parteien: SPD, CDU, Grüne und der Bürgerliste/FWG. Unsere Barig-Selbenhäuser haben den Anschluss erreicht. Sie leben aktiv in der Gegenwart und wirken bewusst für die Zukunft!

Wir bedanken uns bei Herrn Werner Otto aus Barig-Selbenhausen. er gab uns die Genehmigung diesen Artikel, der anlässlich des 75 jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Barig-Selbenhausen erschienen ist, hier zu verwenden. Außerdem bedanken wir uns für die freundliche Unterstützung der Akzidenz-Druckerei Becker in Merenberg, für die Genehmigung die Bilder verwenden zu dürfen.

E-Mail's mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website senden Sie bitte an: webmaster
Bitte beachten Sie den Hinweis zu den Links im IMPRESSUM.
Copyright © 2000-2012 (alle Rechte an diesen Seiten) bei  Martin Grosch - Stand: 06.02.2012
http://reiner-kuhl.de