Geschichte Allendorf

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Allendorf im Strukturwandel der Zeit von Adolf Perlemann

Die ältesten Funde der Besiedlung – bewiesen durch die Funde in den Steedener Höhlen aus der älteren und jüngeren Altsteinzeit – lassen erkennen, dass wir im Limburger Becken das Kerngebiet der prähistorischen Besiedlung annehmen müssen. Von diesem siedlungsgeschichtlichen Zentrum dürfte die weitere Besiedlung ausgegangen sein. (so Gensicke 1956, Seite I/16)

Ein Einfluss des ebenfalls uralten Siedlungsgebietes der Wetterau lässt sich nicht genau nachweisen. Fest steht jedoch, dass die physisch- geografischen Fakten die Siedlungsvorstöße entscheidend bestimmten. (so May 1939, Seite 4)

Prähistorische Funde in Allendorf (Steinaxt, Scherben, Brandgrab u.a., die Fundstätten sind leider unbekannt), an dessen Gemarkungsgrenzen und näherer Umgebung, z. B. im Distrikt 9 des Gemeindewaldes Heckholzhausen gemacht, liegen aus der Bronzezeit vor. Gensicke meint, dass auch in der Jungsteinzeit sowie in der Bronzezeit die guten Ackerböden im Limburger Becken nicht immer besiedelt waren. Die Funde aus der Hallstatt- und La-Tene-Zeit lassen den Schluss auf eine immer dichter werdende Besiedlung zu. Die Kelten besiedelten etwa zu Ende des 6. Jh. v. Chr. unser Gebiet. Zu Beginn der mittleren Hallstattzeit beginnt dann die Besiedlung der anbaugünstigen Landschaften. In der späteren Hallstattzeit dehnte sich die Besiedlung dann auch auf Landschaften aus, welche für den Ackerbau weniger geeignet waren. Erst die Verbreitung des Hafers als Nutzpflanze ermöglichte die Ausweitung des Nahrungsraumes auch auf die weniger günstigen Landschaften. Durch entsprechende Untersuchungen in unserem Raum ist einwandfrei bewiesen, dass unser Gebiet bereits zur Hallstatt- und La-Tene-Zeit besiedelt war. Die Wallanlagen sowie weitere Funde in unserem engeren Raum sind Zeugen von Auseinandersetzungen der Kelten mit den Germanen in der La-Tene-Zeit.

Behlen weist schon darauf hin, dass zu jener Zeit die Germanen fest im Land saßen. Die Zeit der Römer-Kaiser in der Zeit von 0 – 465 n. Chr. ist jedoch durch entsprechende Funde in unserem Raum nicht belegt. Während aber für die früh-römische Kaiserzeit – etwa 0 – 260 n. Chr. – eine Besiedlung als sicher gilt, wird für die spät-römische Zeit – etwa 260 – 465 n. Chr. – eine sehr spärliche Bevölkerung, ja sogar eine Bevölkerungsleere angenommen. Es ist dieses die erste Periode der Völkerwanderung, die sich in dem Gebiet des Westerwaldes bis in die fränkische Zeit hinein ausdehnte. Aus dem Mangel an Besiedlung erklärt sich auch das völlige Fehlen von Bodenfunden aus jener Zeit. (so Behlen 1936, Seite 12)

Die fränkische Landnahme – etwa bis 900 n. Chr. – bringt eine Art Kolonisation der Siedlungs- und Agrarräume. Diese breiten sich immer mehr in den Mittelgebirgen aus. Die Siedlungen (Orte) nehmen Namen oder Bezeichnungen an mit den Nachsilben -husen, -husa, -husin, -hausen oder -burc, -burgk, -burch und -burg. Darüber hinaus bildeten sich die vielen Dorf-Orte und Kirchen-Orte sowie andere. Die endgültige Besiedlung des Raumes um das heutige Allendorf dürfte etwa mit der Zeit um 1000 bis 1100 n. Chr. abgeschlossen gewesen sein.

Als älteste historische Zugehörigkeit – gleichsam als territorial-geschichtlicher Ausgangspunkt – sind die frühmittelalterlichen Gaue zu betrachten. Die Gemarkung Allendorf lag im Unterlahngau, hart an der Grenze des Oberlahngaues. Gaue waren damals keine geografischen Gliederungen, sondern sind die Namen für alte verfassungsrechtliche Bezirke. Alle Gaue waren schon früh in sog. Zehnte eingeteilt. Merenberg gehörte zum Zehnt Lahr, das im Mittelalter wiederum aus den Gerichtsbezirken Schupbach, Allendorf und Merenberg bestand. Die Zehnte Probbach und Dillhausen wurden erst im 19. Jh. abgelöst. Letztere waren kirchliche Rechte, da die Pfarrer von Allendorf und die Kaplane von Merenberg auch die Gemeinden Probbach und Dillhausen betreuten. Selbst zwischen der Pfarrei Allendorf und der Kaplanei Merenberg bestanden it. Kirchenrechnung aus dem 18. Jh. zehntpftichtige Abmachungen.

Im 11. Jh. – etwa um 1056 n. Chr. – werden Altindorf, Mechtelsdorf und Scelmenhusia erstmals benannt.

Ortslexikon (nach Mal 1939)
Allendorf – Landgemeinde – Amt Merenberg – Kirchort. Um 1250 Aldendorf, 1288 Aldindorf, 1458 Altendorff und 1486 Allendorf.

Sitz eines Grafen von Diez bzw. Nassau-Diez und der Herren von Merenberg sowie des Grafen Nassau-Saarbrücken, gemeinschaftliches Gericht für Allendorf und Hasselbach. Galgen am Wolfersberg (Galgenkopf). Diez hat gräfliches Hoch- und Halsgericht) Merenberg grundherrliches Recht (niedere Gerichtsbarkeit). Weistümer von 1526 und 1559. Nassau-Diez wird im 17. und 18. Jh. aus seinen Rechten verdrängt. Güter und Rechte besitzen um 1250 und 1288 der Erzbischof von Trier, 1289 Mechthild von Nassau, geb. von Geldern, und durch ihre Schenkung das Kloster Altenberg, 1288 die Grafen von Diez und durch ihre Schenkung das Stift Diez, 1455 und 1483 die Rübsame von Merenberg und durch ihre Schenkungen des Stift zu Weilburg und die Pfarrkirche zu Usingen, 1670 verpfändete Gottfried von Steprodt seinen freiadligen Hof an Johann Diler und Johann Georg Kurtz, Keller- bzw. Hüttenschreiber zu Löhnberg, 1684 verkaufte er ihm den Keller Franz Erzmann zu Weilburg, 1734 erwirbt ihn Katharine Doredea Zecher, geb. Erzmann, deren Enkel wiederum verkaufen die Hälfte dem F. Karl von Nassau-Weilburg.

Adlige von Allendorf
Die Kinder von Peter und Grete von Merenberg nennen sich ”von Allendorf”. Es handelt sich um Johann (1340 – 1369), Gilbrecht (1363 – 1382) und Heinrich (1363 – 1382). Im Jahre 1361 wurde die Burg in Allendorf von den Machthabern aus Trier zerstört. Dazu berichtet die Limburger Chronik des Johannes, Seite 39: Ein Jahr darnach ward derselbig Cuno von Falckenstein Vormunder des Stiftes zu Trier und zog auß mit der Statt Limpurg und gewann Aldendorf eines Ritters Wonung gelegen bey Merenburg, und war ein wüstes Hauß, und verbrannte das und zuschleifte es zumahl.

Nachweisliche Nachkommen des Ritters von Allendorf sind: Giselbrecht (1428 – 1487) und Katharina (1428 – 1448), eine weitere Fortpflanzung des Geschlechtes ist sehr wahrscheinlich. Außerdem wurde 1337 auch noch ein Canonius Conrad von Allendorf erwähnt.

Kirche zu Allendorf 
1288 schenkte Graf Gerhard von Diez das Patronatsrecht dem Stifte Diez. Das Pastorat der Kirche wird 1289 dem Stift Diez zuerkannt. Auch den halben großen Zehnten bekam das Stift Diez zugesprochen. Das Vizepastorat wurde abwechselnd vom Stift Diez und den Herren von Merenberg besetzt. 

Im Jahre 1729 erfolgte der Neubau der St. Stephanskirche in Allendorf. 

Seit der Reformation haben insgesamt 33 Pfarrer in Allendorf ihren Dienst getan. Darunter waren einige, die mehr als 20 Jahre in Allendorf waren. Stellvertretend seien in diesem Zusammenhang nur die Namen Georg Anton Reinharti, der übrigens in der Kirche zu Allendorf begraben liegt, Christian Friedrich Thilo, Johann Georg Helff, Ludwig Philipp Adolf Gustav Schmidt und Wilhelm Schermuly erwähnt, der übrigens heute noch in unserem Ort Pfarrer ist.

Durch Granatfeuerbeschuss wurde die Kirche gegen Ende des letzten Weltkrieges beschädigt, aber bald darauf wieder repariert.

1968 wurde die ehemalige Pfarrscheune mit Unterstützung der politischen Gemeinde zu einem ev. Gemeindehaus umgebaut. Der Initiator war Pfarrer Schermuly, der sich mit sehr viel persönlichem Engagement für dieses Projekt einsetzte. Das jetzige ev. Gemeindehaus wird durchaus den Bedürfnissen einer kleinen Kirchengemeinde gerecht.

Das heute noch bewohnte Pfarrhaus wurde It. Original-Rechnungsbelegen im Jahre 1619 erbaut. Es dürfte sich somit um eines der ältesten noch erhaltenen Häuser unserer Gegend handeln.

Theologische Miscellen von Pfarrer Schmidtborn (1821)

Nach übereinstimmenden Nachrichten führte Graf Philipp III., ein preiswürdiger und besonders für die Jugendbildung tätiger Fürst, die Reformation erst 1526 in seinem Land ein. Er hatte sich von Doktor Luther einen besonders tüchtigen Mann dazu auserbeten, der ihm dann seinen treuen Freund, den berühmten schwäbischen Theologen Doktor Erhard Schnepf nach Weilburg entsandte. Weiter heißt es auf Seite 3 dieser Abhandlung, dass bereits vor dem Jahr 1545 auch der damalige Pfarrherr zu Allendorf bei Weilburg von der evangelischen Wahrheit abgefallen sei. Er wurde – wie es in alten Nachrichten verlautete – etlicher Verbrechen wegen von dem Hochgeborenen Grafen und Herrn zu Nassau-Saarbrücken entsetzt – ein Feind dieses Herrn, starb jedoch bald nach seinem Abfall. Von ihm, dem zweiten Pfarrer zu Allendorf, nach der Reformation, findet sich noch ein Revers und Glaubensbekenntnis, welches sicherlich von ihm besonders abgefordert wurde.

Erbauung der neuen Kirche zu Allendorf 
Im Jahre 1729 wurde die alte und inzwischen fast vollkommen verfallene Kirche zu Allendorf vollständig abgerissen und im Majo (Mai) der Grundstein zu dem neuen Kirchenbau im Beisein des Herrn Sup. Weinrichs (zu Weilburg), des Herrn Landrat Ertzmann von Weilburg und des Herrn Amtmann Thamerus von Löhnberg gelegt. Aus den Niederschriften des Kaplan Haybach zu Mehrenberg ist über die Feierlichkeiten folgendes bekannt:

Es gingen die Schüler processionsweise mit dem Gesang voraus, hierauf folgten die Geistlichen Herr Sup. Weinrich, Herr Pfarrer Weitershausen von Allendorf und ich (Kaplan Haybach zu Mehrenberg), darnach die beyden Politici, dann die Schöffen und Kirchensenioren und endlich die beiden Gemeinden von Allendorf und Hasselbach. Als man an dem Ort ankam, wurde nach Absingen eines Liedes von dem Herrn Superintendenten eine stattliche Sermon (Rede) unter freiem Himmel gehalten. Dann folgte auch eine kleine Rede von Herrn Pfarrer Weitershausen. Darauf ging einer nach dem anderen, einschließlich der Schöffen, ins Fundament. Jeder schöpfte etliche Kellen mit Kalk und zusammen klopften sie einen Stein ein. Alsdann fingen die Maurer ihre Arbeit an. Die ganze Solemnität (Feierlichkeit) wurde dann im Ertzmännischen Freihof mit einer schönen Mahlzeit, die Herr Landrath Ertzmann gab, beschlossen. Unter Gottes Segen und unter der Direction des Herrn Kammerrath Ertzmann sind die Arbeiten sehr schnell vonstatten gegangen, dass ich (Haybach) bereits auf 1. Weihnachten am frühen Morgen den ersten Gottesdienst in der neuen Kirche halten konnte.

Schule zu Allendorf 
Der Schullehrer Johannes Feuerbach war vor 1612 Lehrer für das gesamte Kirchspiel Allendorf (Hasselbach, Merenberg, Barig-Selbenhausen, Reichenborn und Allendorf). Ab 1612 wurde Feuerbach dann Pfarrer zu Allendorf. 1613 wird dann auf die Gefälle des Katharinenaltars die von Allendorf nach Merenberg verlegte Schule und Kaplänei fundiert. Den Unterricht in den Gemeinden Merenberg, Barig-Selbenhausen und Reichenborn führten dann die Kaplane zu Merenberg weiter. 1737 erhielt Allendorf die Erlaubnis, eine eigene Schule zu gründen und trennte sich somit von der Schule zu Merenberg.

Viele Jahre später wurden die Schulen von Merenberg und Allendorf wieder zusammengeführt. Nach langen und oft auch sehr schwierigen Verhandlungen in den Jahren 1956/57 wurde am 27. 9. 58 zwischen Allendorf und Merenberg die erste Gemeinschaftsschule im Oberlahnkreis ihrer Bestimmung übergeben. Sie erhielt den Namen ”Albert-Wagner-Schule”.

DM 762.471,– kostete dieser Neubau. Daran beteiligten sich das Land Hessen, der Bund und der Oberlahnkreis mit zusammen DM 390.000,–. Der Rest in Höhe von DM 372.471,– wurde von den Gemeinden Merenberg und Allendorf aufgebracht. Stellvertretend für viele andere sei in diesem Zusammenhang der damalige Bürgermeister Hermann Senlaub genannt, der sich für dieses Projekt besonders stark machte.

Einwohner in Allendorf 
1824 hatte Allendorf nachweislich 239 Einwohner. Im Jahre 1925 waren es dann 375 Einwohner. 1975 – als Ortsteil der Großgemeinde Merenberg – zählt Allendorf 504 Einwohner.

Bergbau in Allendorf 
Allendorfer Gewerker (Bergleute) haben bereits seit 1850 in der Gemarkung Allendorf nach Erzen, Braunkohle, Quarzit und Walkererde geschürft. Bis zur Jahrhundertwende konnten sie damit einigen Bürgern unserer Gemeinde doch Arbeit und somit auch Brot geben. Laut dem Gemeindearchiv von Allendorf kannte man die Schmidtgrube sowie die Gruben Schröder, Eichwald und Arrat, die teilweise über einen Morgen groß waren.

Vereine in Allendorf 
Die Freiwillige Feuerwehr gegründet 1926 
Der MGV ”Einigkeit” gegründet 1900
Der Frauen- und Mädchenchor gegründet 1946 
Der Sportverein gegründet 1900 
(wurde später im Jahre 1956 durch den Kultur- und Sportbund abgelöst und fusionierte im Jahre 1973 mit anderen Vereinen der neuen Großgemeinde zur SG Merenberg) 
Der VdK gegründet 1950 

Dieser Text stammt aus einer Festschrift (1975) des 
Männergesangverein Einigkeit Allendorf zum 75 jährigen Bestehen des Vereins.
 Der Verfasser Herr Adolf Perlemann:

 

Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Günter Bernhardt, Allendorf.

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