Burg Merenberg

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Eine Geschichte von Carl Wehrum – Weilburg (??????)

Vorwort

Es gibt wenige Bauwerke in unserer engeren Heimat, die den Blick schon aus weiter Ferne so auf sich lenken, wie der Turm der Burgruine Merenberg. Mit dem Reste des einstigen Palais ist er bis weit in das Limburger Becken und von den Höhen des Westerwaldes aus sichtbar.

In den folgenden Ausführungen wird der Versuch unternommen, über die verhältnismäßig kurze, dennoch aber interessante Geschichte der Burg und ihres Geschlechtes, sowie der später entstandenen Stadt Merenberg zu berichten.

Dem Geschlechte der Herren von Merenberg, das erstmals im Jahre 1090 auftaucht, war allerdings keine lange Blütezeit beschieden, als es bereits 1328 im Mannesstamme wieder erlosch. Burg, und die inzwischen gebildete Herrschaft, gelangten durch Heirat in den Besitz der benachbarten Grafen von Nassau-Weilburg, die sich von da an Grafen von Nassau- Merenberg nannten. Nach dem Erwerb wertvollerer linksrheinischer Besitzungen trat jedoch Merenberg bald in den Hintergrund, was auch auf die Entwicklung des Gemeinwesens zu einer Stadt im Sinne des Wortes nicht ohne Einfluss geblieben ist.
Da man die Merenberger Herren keinem der älteren in unserer Gegend ansässigen Adelsgeschlecht zurechnen kann, blieb die Frage nach ihrer Herkunft lange Zeit offen. Der bekannte Heimatforscher Dr. K.H. May ist der Ansicht, dass der erstmals 1090 genannte Hartrad 1. von Merenberg, der ungarische Baron sein könnte, welcher eine der sieben Töchter des Grafen Ludwig II. von Arnstein ehelichte. Damit ließe sich auch u.U. der Besitz der Merenberger in der Arnsteiner Herrschaft erklären.

Eine andere Version geht dahin, dass die Vorfahren der Merenberger Herren schon gute Beziehungen zu den Konradinern unterhalten hätten, woraus sich u. A. auch ihre Stellung als Vögte der freien Stadt Wetzlar erklären lasse.
Hartrad I. (1090-1129) - Erbauer der Burg und Gründer der Herrschaft Merenberg.

Als erstes drängt sich die Frage nach der Herkunft der Merenberger Herren auf. Es war keines jener Geschlechter die schon längere Zeit hier ansässig waren, doch würde es den Rahmen dieser Abhandlung sprengen, wollte man alle Zusammenhänge aufführen, die es den Merenbergern ermöglichten gerade hier festen Fuß zu fassen. Wer sich dafür interessiert, dem sei das von Dr. K. May verfasste Werk „Territorialgeschichte des Oberlahnkreises“ empfohlen, das diese Frage neben anderen eingehend behandelt. Nachdem gehörten die Merenberger zu den ältesten bekannten Reichsvögten der Freien Stadt Wetzlar (1135/63) und hatten dadurch gute Beziehungen zu Kaiser und Reich, was ihren Bestrebungen nach Gründung einer eigenen Herrschaft bestimmt förderlich war. Aber auch die Beziehungen zu den Grafen von Arnstein mögen in diesem Zusammenhang eine Rolle gespielt haben. Wie May vermutet, könnte die Gattin Hartrads sogar eine Schwester des mächtigen Grafen Ludwig II. v. Arnstein gewesen sein. Alle diese Zusammenhänge und Verbindungen haben bestimmt das Vorhaben Hartrads begünstigt und ihm die Rückendeckung verschafft, deren er zur Ausführung seines Vorhabens bedurfte. Da Hartrad sich bereits 1129 als Herr von Merenberg bezeichnet, müssen bis zu diesem Zeitpunkt wohl alle Schwierigkeiten überwunden und der Burgenbau wohl auch zum großen Teil vollendet gewesen sein. Schon frühe führen die Herren von Merenberg ein eigenes Wappen, ein güldenes Andreaskreuz auf grünem Grunde mit drei kleinen gemeinen Kreuzlein in jedem Felde.

Welcher Art die angeführten Schwierigkeiten waren, darauf sei kurz eingegangen. Die strategisch wichtige Lage des für den Burgenbau vorgesehenen Basaltkegels und seiner Umgebung, war schon dem vorgeschichtlichen Menschen bekannt, worauf auch entsprechende Anlagen auf den benachbarten Bergkuppen hinweisen. Sie beherrschten zudem die uralten Handelsstraßen über den Westerwald zu Main und Rhein. Das war bestimmt mit ein Grund Hartrad für den geplanten Burgenbau. Aber das war nicht herrenloses Land, sondern im Eigentum des Bistums Worms, das seinerseits die Grafen von Nassau als seine Vögte hier eingesetzt hatte, auch die Herren von Dietz hatten hier noch Rechte, ebenso die Herren von Beilstein. Um den Burgenbau zu ermöglichen, musste Hartrad zumindest mit Worms einig werden, was auch gelang, wenn auch in dem Vertrag vom 24.2.1226 nicht nur die Wormser Oberhoheit, sondern auch die Vogteirechte und Ansprüche der Nassauer und Beilsteiner ausdrücklich erkannt werden mussten.

War die Bildung eines Eigenbesitzes auch vorerst nicht gelungen, so war die Wormser Belehnung mit Merenberg, Allendorf, Hasselbach, Barig-Selbenhausen, Reichenborn, Hüblingen, Rückershausen und den inzwischen ausgegangenen Dörfern Potenhan, Mechtelndorf und Ober- bzw. Niedervöln, doch ein Erfolg.

Hartrad II. (1135/63) hatte durch seine Ehe mit Irmgard v. Gleiberg Ansprüche auf deren Gleiberger Erbgut erheiratet. Das war insofern von besonderer Bedeutung, als dieser Besitz nicht mit der Wormser Oberhoheit belastet war. Wie K. May in seinem erwähnten Werk schreibt, ist diese Erbschaft aber nicht durch Irmgard, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach, erst durch die dem Namen nach unbekannte Frau ihres Sohnes Hartrad III. in Gemeinschaft mit Solms an Merenberg gekommen. Hartrad II. Bruder Giso (1186/89) hat sein ihm zugefallenes Anteil an der Herrschaft dem Kloster Arnstein zwecks Gründung des Klosters Hachborn bei Marburg abgetreten.

Hartrad III. (1163/89) hinterließ zwei Söhne, Hartrad und Konrad, sowie eine dem Namen nach unbekannte Tochter. Ersterer übernimmt als

Hartrad IV. (1182-1215) die Herrschaft und ehelichte Guda v. Eppstein. Wie seine Vorgänger, so versuchte auch er sich von der lästigen Wormser Hoheit frei zu machen. War das bisher nicht durch Verhandlungen möglich gewesen, so wollte es Hartrad dieses mal mit List versuchen, indem er Rudolf v. Beilstein dessen Wormser Lehensanteil an Merenberg abkaufte. Doch hatten sie, wie man zu sagen pflegt, die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn Worms erkannte diesen Handel nicht an, und das Geld war umsonst ausgegeben worden. Hartrad musste nicht nur die Wormser Oberhoheit erneut anerkennen, sondern sich auch verpflichten , falls dieses in der Herrschaft Weilburg eine Burg bauen wollte, mit 30 Mann Hilfe zu leisten. Von dieser Verpflichtung war allerdings die Herrschaft Gleiberg ausgeschlossen.'

Hartrad IV. Bruder Konrad I. (1140/1233) ist nicht besonders hervorgetreten. Mit seinem Sohn Konrad (1233/56) bzw. seinem Enkel Hartrad erlischt die jüngere Merenberger Linie. Die ältere lebt in Hartrad IV. beiden Söhnen Konrad II. bzw. Wittekind weiter

Konrad II. (1124/56) sitzt in Merenberg, sein Bruder Wittekind (1224-64) wurde Mitkämpfer Friedrichs v. Hohenstauffen gegen die lombardischen Städte. Er starb 1264. Der im Kloster Haina lebende Mönch Gottfried v. Merenberg könnte ein Sohn von ihm gewesen seine Konrad II. hatte zwei Söhne, Hartrad und Eberhard. Ersterer als

Hartrad V. (1249-88) und alleiniger Inhaber der Herrschaft Merenberg ehelichte Gertrud v. Solms (1257-1306). Sein Bruder Eberhard wurde Domherr und Dekan in Speyer. Er stiftete 1297 das Kloster Dorlar bei Wetzlar. Die Ehe zwischen Hartrad und Gertrud hatte seine besonderen Gründe, denn man hoffte über diese Verbindung wieder in den Besitz des inzwischen an Solms verpfändeten Gleiberger Anteils zu gelangen. Wohl hatte der Vater der Braut, Heinrich II. von Solms den fraglichen Anteil seiner Tochter als Heiratsgut mit in die Ehe gegeben, dabei aber zur Bedingung ge;1acht, dass die Pfandsumme zurückgezahlt werden müsse, falls die Ehe kinderlos bleiben sollte. Doch dieser Fall trat zum Glück für die Merenberger nicht ein, sie hatten wohl ihren Anteil an Gleiberg bereits früher wieder zurückerhalten, doch der von Solms konnte erst später erworben werden.

Hartrad V. war schon 1264 von dem Pfalzgrafen v. Tübingen mit der Burg zu Gießen belehnt worden, doch musste er diese bereits im folgenden Jahre an Hessen abtreten. Das ernannte ihn zwar dafür zum Burg- und Lehensmann zu Vetzberg, doch musste als Gegenleistung dafür Hartrad seine Burgen Merenberg und Gleiberg den Hessen öffnen. Das war zwar kein besonders vorteilhafter Handel, doch bedeutete der damit verbundene Anschluss an Hessen immerhin eine Stärkung seiner politischen Stellung.
Weniger Glück hatte er allerdings in einem Streite mit Diez bezüglich der Ausübung der Hoheitsrechte bzw. Gerichtsbarkeit in den benachbarten Dörfern Hüblingen und Neunkirchen, der sich noch über 500 Jahre lang hinzog.
Hartrad V. hinterließ aus seiner Ehe mit Gertrud drei Kinder, Hartrad, Gottfried und einen weiteren Sohn Hartrad. Ersterer übernahm als
Hartrad VI. (1288-1328) nach dem Tode seines Vaters die Herrschaft Merenberg. Sein Bruder Gottfried (1271-1305) ehelichte Lisa von Westerburg (1297-1312). Der zweite Hartrad wurde Mönch und später (1296) Probst in Wetzlar.

Hartrad VI. war im Gegensatz zu seinen Vorgängern ein vorsichtiger Wirtschaftler und darauf bedacht, das einmal Gewonnene nicht durch unvorsichtige Experimente zu gefährden.
Ja er konnte, was bisher noch keinem seiner Vorgänger gelungen war, Pfandschaften sichern und Geld ausleihen. Mit Köln und Mainz unterhielt er gute Beziehungen, letzteres ernannte ihn dafür zum Burgmann auf Amöneburg bei Kirchhain. Hartrad konnte schließlich erreichen, dass Solms auch auf seinen Anteil an Gleiberg aus der Zeit Hartrads II. Verzicht leistete. Mit Ausnahme der Vogtei über die Freie Stadt Wetzlar, die noch verpfändet war, ist es ihm gelungen, den gesamten Besitz des Hauses Merenberg in seiner Hand zu vereinigen. Es gelang ihm auch durch Rudolf von Habsburg unterm 28.7.1290 für sein Dorf Merenberg die gleichen Rechte wie die Freie Stadt Friedberg zu erlangen, womit zugleich das Recht zur Abhaltung eines Wochenmarktes verbunden war. Diese Rechte wurden später unter Kaiser Ludwig 1331 erneuert. Mit seinen eigenen Lehensträgern in Merenberg versuchte er klare Verhältnisse zu schaffen, was wahrscheinlich nicht immer ganz leicht war. Alle diese Maßnahmen hatten aber ihren guten Grund, denn Hartrad war der Letzte seines Stammes und musste darum Vorsorge treffen, dass keinerlei Missverständnisse auftreten konnten, zumal aus seiner Ehe mit Lisa von Sayn nur zwei Töchter, Gertrud und Lisa, hervorgegangen waren. Um die Rechtsnachfolge zu sichern hatte darum Hartrad noch vor seinem am 24.7.1328 erfolgten Tode von Ludwig dem Bayern das Recht der Erbfolge für seine beiden Töchter erwirkt. Seine Gemahlin Gertrud übernahm vorerst die Herrschaft, wobei sie sich der Unterstützung des im benachbarten Weilburg regierenden Grafen Gerlach v. Nassau versicherte, der dann schließlich auch die Vormundschaft über die Töchter übernahm. Das alles geschah in kluger Voraussicht und Planung, denn bald darauf kam eine Eheberedung zustande, nach der die ältere Gertrud den Sohn Gerlachs, Graf Johann heiraten, Lisa aber durch Geld abgefunden werden sollte. Bliebe die Ehe ohne Kinder, dann sollte das Erbe allerdings an Lisa übergehen. Die Eheschließung zwischen Gertrud und Johann sollte in zehn Jahren stattfinden, bis zu diesem Zeitpunkt sollte auch die Vormundschaft des Grafen Gerlach bestehen bleiben. So schien zwar alles in bester Ordnung, aber oft kommt es dann ganz anders wie geplant. Nach der im Jahre 1333 stattgefundenen Hochzeit der jungen Leute konnte sich Johann stolz , „Graf zu Nassau und Herr zu Merenberg“ nennen. Aus der Ehe zwischen Johann und Gertrud gingen zwei Kinder hervor, die ebenfalls Gertrud und Lisa hießen. Gertrud die ältere, war bereits im Kindesalter mit dem Grafen Reinhard von Westerburg vermählt bzw. versprochen worden. Die Hochzeit sollte auch in zehn Jahren stattfinden, Um die Herrschaft von allen Ansprüchen der Tochter Lisa frei zu halten, wurde diese durch eine entsprechende Aussteuer abgefunden. Aber Gertrud starb, bevor die geplante Ehe überhaupt zu Stande kam. Zwar war Lisa, die Schwester, gegen Vermehrung ihrer Aussteuer in das Stift Villach eingetreten, aber als die Mutter um 1352/53 verstorben war, wieder in den weltlichen Stand zurückgekehrt und hatte Ulrich von Hohenlohe gen. v. Brauneck geheiratet. Zusammen mit ihrem Manne glaubte sie nach dem Tode ihrer Schwester Ansprüche auf das Merenberger Erbe geltend machen zu können, musste aber am 11.9.1350 bzw. 17.2.1355 erneut Verzicht leisten. Trotzdem hat sie immer wieder, wenn auch ohne Erfolg versucht, Ansprüche auf die Herrschaft geltend zu machen. Auch als sie eine zweite Ehe mit Lupold Küchenmeister von Nortenberg eingegangen war, stellte sie erneut Ansprüche. Durch einen Spruch Ruprechts d.Ä., Pfalzgraf zu Rhein, den man als Schiedsrichter zugezogen hatte, sind diese Ansprüche aber dann endgültig abgewiesen worden.(1375)
Aber da war noch ein anderer Anwärter auf das Merenberger Erbe, Reinhard von Westerburg, der nach dem Tode Lisa von Merenbergs mit Kunigunde von Merenberg, einer angeblichen Tochter Gottfrieds von Merenberg (einem jüngeren Bruder Hartrads VI) verheiratet war. Reinhard starb zwar 1355 darüber, doch versuchte seine Witwe, wenn auch vergeblich, diese Ansprüche durchzusetzen. So schien denn alles beim Alten zu bleiben, aber da kamen noch etliche Jahrzehnte später im Jahre 1433 auch noch die Grafen von Nassau-Beilstein, die aus alten Wormser Vogteirechten Ansprüche glaubten geltend machen zu können. Erst seit dem Jahre 1652 konnten sich die Weilburger Herren des unbestrittenen Besitzes ihres Merenberger Erbes erfreuen.

Johann 1. war bereits im Jahre 1353 von Kaiser Karl IV. die Reichsfürstenwürde verliehen worden. Da die entsprechende Urkunde aber nur gegen Zahlung einer größeren Geldsumme ausgehändigt wurde, hatte Johann seiner Zt. auf den Titel verzichtet. Erst ein späterer Nachkomme, Karl August von Nassau-Weilburg brachte die erforderliche Summe auf und löste die Urkunde im Oktober 1737 ein. Von diesem Zeitpunkte ab führten die Grafen den Fürstentitel.
Einmal noch war allerdings die Herrschaft in Gefahr, als der Ottoische Vetter, Graf Johann Ludwig von Nassau-Hadamar, der zur katholischen Kirche zurückgekehrt war und die Grafschaft Merenberg durch Kauf an sich gebracht hatte. Doch wurde nach Abschluss des Westf. Friedens im Jahre 1648 und der folgenden Bruderteilung am 6.3.1651 Merenberg seinem rechtmäßigen Besitzer, dem Grafen Ernst Kasimir von Nassau-Saarbrücken in Weilburg wieder zugesprochen. Hier blieb sie bis zur Auflösung des Nassauischen Staates im Jahre 1866.

Die Burg Merenberg wird Ruine.

Über fünfhundert Jahre hatte die Burg Merenberg, aus massigem Basalt aufgerichtet, alle Stürme der Zeit überdauert und schaute als Wahrzeichen fürstlicher Macht und Herrlichkeit in das Land ringsum. Auch in diesen langen Jahren ist sie nicht von Not und Stürmen verschont geblieben, aber noch stand sie fest und trotzig auf ihrem Berge. Doch wie allem im Leben, so schlug auch der Burg Merenberg einmal die Schicksalsstunde und heute künden außer dem massiven Turm nur noch Mauerreste von ihr.
Wir schreiben das Jahr 1646 und schon über zwei Jahrzehnte verwüstet ein mörderischer Krieg weite Gebiete auch unserer engeren Heimat. Gewalt geht vor Recht, das auch die Landesherren nicht vereiteln können und auf ihre persönliche Sicherheit mehr bedacht sind, als auf das Wohl und Wehe ihrer Landeskinder. Auch der Herr von Merenberg, der in Weilburg residierende Graf hatte sein Land verlassen und lebte im Exil. Wohl versuchen seine Beamten der Not und dem Verbrechen entgegen zu steuern, aber meist nur mit geringem Erfolg. Was in diesen verhängnisvollen Tagen und Jahren auch die Bewohner Merenbergs erduldet haben, das zu schildern, würde den Rahmen dieser Abhandlung sprengen. Es gab zwischendurch auch einmal ruhige Tage ja Monate, wo der Landmann seinen Acker bestellen und wenn er Glück hatte, auch ernten konnte, aber all zu oft war seine Mühe umsonst.

Der Krieg neigte sich bereits seinem Ende zu, da schlug auch für Merenberg, das bisher von größeren Schäden verschont geblieben war, die Schicksalsstunde. Der kaiserliche General Erzherzog Leopold Wilhelm hatte im August 1646 bei Villmar die Lahn überschritten und sein Lager zwischen den Dörfern Schadeck, Dehrn, Ahlbach und Niedertiefenbach aufgeschlagen. Seine völlig ausgehungerten Soldaten, fielen wie die Wölfe über die Dörfer her, nichts war vor ihnen sicher. So erschien dann eines Tages auch ein Trupp vor Merenberg. Man hatte wohl vorsorglicher Weise die Tore geschlossen, dadurch aber wahrscheinlich nur die Wut der Wegelagerer gesteigert. Die Tore wurden aufgeschlagen und die Stadt erstürmt und geplündert. Mit einem Teil der Wohnhäuser wurde dann auch wahrscheinlich die Burg zerstört, was auch der zu der Zeit amtierende Amtmann P. Weinrich auch nicht verhindern konnte. Das muss in der Zeit zwischen dem 15.8.-15.9.1648 gewesen sein.

Während die Wohnhäuser im Laufe der folgenden Jahre und Jahrzehnte wieder aufgebaut wurden, hat man für die Wiederherstellung der Burg nicht nur keine Mittel bereitgestellt, sie vielmehr im Laufe der Zeit als willkommenen Steinbruch für den Wiederaufbau des Dorfes, nach den Zerstörungen des 3Ojährigen Krieges, ausgebeutet. Wie anders wäre es sonst zu erklären, dass von der einstmals doch schon recht umfangreichen Burganlage bis auf wenige Reste, nicht mehr viel übrig geblieben ist.

Es ist aber durchaus möglich, dass mit dem Aussterben der Merenberger, die Burganlagen doch nicht mehr die frühere Rolle spielen konnten und vernachlässigt wurden, zumal sie von den Nassauern nie bewohnt, sondern nur mit einem Beamten besetzt wurden. Da seit dem Tode Hartrads bzw. seiner Frau Lisa als den letzten ständigen Bewohnern, bis zum Tage der Zerstörung immerhin ein Zeitraum von rd. 400 Jahren liegt, hat diese Vermutung schon eine gewisse Berechtigung. Ein anschauliches Beispiel dafür bietet die benachbarte, in ihrer Ausdehnung aber viel größere Burg Greifenstein, die zwar nie zerstört, aber dennoch zur Ruine wurde.

Kam auch der Plan Pfarrer Schmidtborns, der in seiner 1819 herausgegebenen Chronik „Die Merenburgk und ihre Dynasten“ den Vorschlag machte, auf dem Gelände der Burg ein Museum einzurichten, nicht zur Ausführung, so hat doch der Taunusklub 1895 den noch erhaltenen Turm durch Einbau einer Treppe besteigbar und als Aussichtsturm herrichten lassen. Auch die Gemeinde Merenberg selbst hat in den letzten Jahren erhebliche Mittel für die Erhaltung der Ruine aufgewandt. Wie die gesamte Burganlage einmal ausgesehen haben mag, das muss man schon der Fantasie des Betrachters überlassen, doch hat der Verfasser dieser Abhandlung den Versuch gemacht, an Hand der noch feststellbaren Reste, ein „wahrscheinliches“ Bild der Burg, wie sie vor der Zerstörung vielleicht ausgesehen haben mag, anzufertigen.

Die Stadt Merenberg

Mit der Verleihung der Stadtrechte hatte das bisherige Dorf auch das Recht erhalten, sich mit Mauern und Toren zu sichern. Es muss eine für ihre Zeit und die Umstände schon ein recht stattliche Anlage gewesen sein, von der leider heute außer einem Tor, dem Rest eines Turmes und kaum sichtbaren Resten der Stadtmauer, kaum etwas auf unsere Zeit gekommen ist. Als der Merenberger Pfarrer Schmidtborn im Jahre 1819 seine Chronik von Merenberg verfasste waren außer dem jetzigen Tor an der Straße nach Heckholzhausen ein weiteres Tor am Ausgang des Dorfes nach dem Friedhofe, sowie die Reste eines weiteren Tores oberhalb demselben, wahrscheinlich als Ruine, noch erhalten. Letzteres, als Hermestor bezeichnet, ist wahrscheinlich das Eingangstor zur Burg gewesen. Es trug die Jahreszahl 1664. Beide Tore wurden anfangs des vergangenen Jahrhunderts niedergelegt. Man geht in der Annahme nicht fehl, dass auch schon vor der Anlage der Stadtmauern im sogenannten Tal des Burgberges einige bescheidene Wohnhäuser der Leibeigenen gestanden haben. Mit der Erhebung zur Stadt traten auch hier manche Änderungen ein, und haben zum weiteren Ausbau des Gemeinwesens beigetragen. Zwar waren die Bürger, wie das auch in benachbarten Städten der Fall war, nach wie vor zu gewissen Dienstleistungen wie z. B. im Sicherheits- und Feuerlöschdienst verpflichtet, aber Fronarbeit im wörtlichen Sinne, Treiberdienste bei Jagden, indirekte Steuern wie z.B. die Abgabe des sogenannten Besthauptes bei Erbteilungen, wurden nicht mehr gefordert. Dass man allerdings gerade die noch bestehende Verpflichtung zum Sicherheitsdienst mitunter auch zur Durchsetzung ungerechtfertigter Forderungen und Ansprüche, ja sogar zu Räubereien auszunutzen verstand, dafür sind auch in der Geschichte Merenbergs Beweise vorhanden, über die an entsprechender Stelle noch zu berichten sein wird.
Als bemerkenswert, weil bis nach dem ersten Weltkriege in manchen Gemeinden noch üblich, ist in diesem Zusammenhang, auch der Wegfall der Ablieferung von Ostereiern an die Pfarrei Allendorf, zu der damals Merenberg noch gehörte. Handel und Wandel brachten auch die Märkte in die junge Stadt, der auf einem Platz an der Straße nach Neunkirchen abgehalten und der später mit Linden bepflanzt wurde.
Die weitere Entwicklung der Gemeinde ist der Zeit entsprechend nur langsam vorwärts geschritten und durch unvorhergesehene Natur- bzw. Kriegsereignisse öfters beeinträchtigt worden. In diesem Zusammenhang hat besonders der 3ojährige Krieg und seine Folgeerscheinungen die Entwicklung gehemmt. Wenn trotzdem bereits 1609 in Merenberg als erste Handwerkerzunft die Hammerzunft erwähnt wird, später dann 1663 die Löher und Schuhmacher, 1666 die Schmiede und Wagner, 1696 die Bäcker und Bierbrauer und schließlich dann 1734 die Küfer und 1762 nochmals die Bäcker und Bierbrauer, dann sind das doch Zeichen einer allmählichen Weiterentwicklung.
Vorherrschend blieb natürlich nach wie vor die Landwirtschaft und wo ihre Erträge zur Lebenshaltung nicht ausreichten, eine Nebenbeschäftigung. Gelegenheit dazu boten, besonders gegen Ende des 19. Jahrhunderts und darüber hinaus, die in der Umgebung Merenbergs betriebenen Basaltbrüche, Ton- und Walkerde- bzw. Braunstein- und Eisenerzgruben.
Eine ungleich größere Rolle spielten aber im Zusammenhange mit Merenberg als Stadt, jene Kreise, die man als Niederadelige und Burgmannen bezeichnet. Sie wussten die Vorteile einer Stadt oft auf ihre eigene Art und nicht immer im Interesse der Bewohner, zu nutzen. Die Burgmannen als Vasallen des Burgherren haben zumindest zeitweise auf der Burg selbst gewohnt, während die Niederadeligen ihren Wohnsitz innerhalb der Stadtmauern aufschlugen. Eine Ausnahme machte dabei das auch heute noch erhaltene und den Rübsame von Merenberg gehörige steinerne Burghaus an der Straße nach Neunkirchen. Sie waren treue Vasallen des Landesherrn und haben sich durch Stiftungen den Bewohnern gegenüber als Freunde und Förderer erwiesen. Es gab aber auch andere, die durch ihr unbotmäßiges Treiben und Verhalten nicht nur den Bewohnern, sondern auch dem Burgherren zur Last wurden. Da waren z.B. die von Allendorf, die das Feld räumen und in dem benachbarten Allendorf einen neuen Unterschlupf fanden. Sie bauten dort, wie es heißt eine eine neue Burg, die sich bald als ein gefährliches Raubnest erwies und darum im Jahre 1363 vom Erzbischof von Trier, Kuno von Falkenstein so gründlich zerstört wurde, dass man ihre Spur bis heute vergeblich gesucht hat. Ähnlich erging es den Schütz von Merenberg, die gegen den Willen Hartrads IV innerhalb der Stadtmauern ein „festes Haus“ errichtet hatten. Es wurde mit Einwilligung des Lehnsherren, des Bischofs von Worms, belagert und zerstört, der danach zu urteilen früher seine Einwilligung zum Bau gegeben haben muss. Wo dieses Haus seinen Platz hatte, lässt sich heute nicht mehr feststellen.
Bei einem am 11.5.1975 in Merenberg durchgeführten Erkundigungsgang wurde die Feststellung gemacht, dass das zwischen Kirche und Mittelgasse stehende heutige Wohnhaus Kirchgasse Nr. 27 auf außergewöhnlich massiven Resten einer starken Basaltmauer aufgebaut worden ist. Es könnte darum nicht ausgeschlossen sein, dass es sich hier um die Reste des ehemaligen festen Hauses der v. Schütz handelt, wofür auch die Lage spricht.

Es hat sich aber wahrscheinlich um ein massives Steinhaus innerhalb der Stadt, das mit Tor und Mauer gesichert war, gehandelt. Die Schütz bauten in der Gemarkung des heutigen Heckholzhausen eine neues Haus und nannten sich in der Folgezeit nicht mehr von Merenberg, sondern von Holzhausen. Dass das Verhalten dieser beiden Herren eine besondere Ausnahme gewesen sei, wird man wohl kaum annehmen können. Wohl hatte man, wie auch in Merenberg, zum Schutze gegen ihr Treiben feste Mauern und Türme um die Städte gebaut, doch brachten sie es fertig, diese Einrichtung auch wieder für ihre Räubereien nutzbar zu machen, wie dies auch aus dem folgenden Bericht des, Limburger Chronisten Tilemann Ehlen von Wolfhagen aus dem Jahre 1358 hervorgeht. Dass die Merenberger, wenn auch unter Zwang, dabei eine gewisse Rolle gespielt haben, muss man ihnen schon verzeihen. Was war aber geschehen ?! . Doch lassen wir Tilemann reden:
,,Ein Jahr darnach oder so ungefähr da wurden die von Limburg vor Merenberg niedergeworfen. Das taten die von Merenberg. Es blieben drei ehrbare Männer tot. Deren einer hieß Hartung und war ein Schultheiß und ein Schöffe zu Limburg; man hielt diesen Hartung für den klügsten Laien in allen diesen Landen. Auch wurden ihrer gefangen zehn oder zwölf".
Dieser Vorfall muss sich wahrscheinlich in der Zeit zwischen dem 29. Januar und 15. Februar 1358 abgespielt haben. Die Namen der zwei Männer die als Opfer des Überfalles ihr Leben lassen mussten sind bekannt. Es waren Henrichs des Weißen Sohn und Rulen des Hennes Sohn aus Limburg. Es gerieten bei dieser Gelegenheit auch noch weitere zwölf Limburger Bürger in die Gefangenschaft der Merenberger. Was die Ursache der geschilderten Niederlage der Limburger war, davon gibt ein besonderer Bericht Kenntnis.
Danach waren fünf Merenberger vor Limburgs Toren erschienen und hatten von den dort weidenden Pferden vier gestohlen. Doch die Limburger hatten den Raub bemerkt und alarmierten durch läuten der Sturmglocke die Bürger. Sie schickten den Räubern einige ihrer Leute nach um zu erkunden, wohin die gestohlenen Pferde gebracht wurden. Diese stellten aus einiger Entfernung fest, dass die Pferde nach Merenberg gebracht worden waren. Der Führer des Trupps begab sich an das Stadttor um die Rückgabe der Pferde zu fordern, wurde aber dabei hinterlistiger Weise gefangen. Darauf hin ritten die anderen nach Limburg zurück, um Verstärkung zu holen. Die Stadt sandte nun ein Bürgeraufgebot unter der Führung des Schultheißen Hartung gen Merenberg, um den Raub zurückzuholen. Als diese vor Merenberg ankamen, taten die Räuber so, als ob sie sich auf Verhandlungen einlassen wollten. Das war aber eine List und sie taten das nur um Zeit zu gewinnen. Inzwischen hatten sie nämlich schnell das Landvolk aufgeboten und warteten nur auf diese Verstärkung. Als es so weit war, stürzten sie sich, wahrscheinlich noch aus dem Hinterhalt, auf die wartenden Limburger, die schließlich unter Zurücklassung der Gefallenen und weiterer fünf Limburger als Gefangene der Merenberger, das Feld räumen mussten. Was mit diesen und den Pferden geschah, darüber schweigt sich der Chronist aus, sie sind aber wahrscheinlich durch Zahlung eines Lösegeldes wieder freigelassen worden.
Dieser Vorfall ist ein typisches Beispiel für die Rechtsauffassung jener Zeit. Als der geschilderte Raub geschah, war Merenberg bereits im Besitz der Grafen von Nassau-Weilburg, dessen Amtmann zu dieser Zeit, Ludwig Waltpoden, auf der Burg seinen Sitz hatte~ Obwohl er von dem Vorfall Kenntnis hatte, denn er war bei den erwähnten Verhandlungen vor dem Tore anwesend, hat er scheinbar nicht einmal den Versuch unternommen, den Raub zurückzugeben. Man muss ihn darum nicht nur für das geschehene Unrecht, sondern auch den Tod der Limburger Männer verantwortlich machen. Doch dieser Vorfall war nicht einmalig und einer von vielen jener Zeit in denen nicht nur die Niederadeligen sondern oft genug auch sogar die Landesherren selbst verwickelt waren. Auch dafür liefert die Limburger Chronik einen treffenden Beweis. Darnach zogen im Jahre 1374 neben dem Grafen von dem benachbarten Wied-Runkel fast die gesamte Ritterschaft von der unteren Lahn, wie die Grafen von Nassau, Isenburg und Grenzau, Westerburg, Molsberg und andere um Limburg (vielleicht waren die Merenberger auch dabei) vor die Freie Stadt Friedberg um sie zu überfallen und auszurauben. Aber diesmal ging die Sache schief, denn die Friedberger hatten von dem Plan erfahren und sich entsprechend vorgesehen. So wurde aus der erwartenden Beute nichts und der Initiator des Ganzen, Graf Dietrich von Runkel, geriet in die Hand der Friedberger, dazu zwei weitere Hauptleute. Für ihre Freigabe mussten die Herren 10 000 Gulden Lösegeld zahlen. Wenn der Chronist dabei vermerkt, dass das ein „Gnädiges Lösegeld“ gewesen sei, dann kann man sich einen ungefähren Begriff von der Auffassung jener Tage machen. Die Leidtragenden bei allen diesen Unternehmen waren immer wieder die Bürger und Bauern, die den Herren nicht nur wehrlos gegenüberstanden, sondern oft genug auch noch bei der Ausführung ihrer Räubereien Hilfestellung leisten mussten, wie dies gerade auch bei dem Fall Merenberg gewesen zu sein scheint.
Merenberg als Stadt und Amt.

Man geht in der Annahme nicht fehl, dass innerhalb der Burg schon von Anfang an die gräfliche Gerichtsbarkeit ihre Grenzen hatte. Es ist auch möglich, dass schon vor der Verleihung der Stadtrechte in den Jahren 1290 bzw. 1331 ein Schöffengericht innerhalb der Stadt getagt hat, doch erst in einer Urkunde vom 19.11.1339 erscheint ein Stadtsiegel mit der Umschrift:
„S(IGILLUM). CASTR(E)NSIUM. ET.CIVIVM. DE MERINB(ER)G."
Nach Dr. K. May ,, Siegel der Burgmänner und Bürger von Merenberg“.

Danach scheinen die rechtlichen Belange der Stadt gemeinsam vertreten worden zu sein.

So gesehen, ist wahrscheinlich der schon unter Lisa am 2.6.1330 auftretende Amtmann Peter von Merenberg mehr als ein rein gräflicher Beamter innerhalb der Burg bzw. der merenbergischen Besitzungen allgemein zu betrachten, da Merenberg selbst zu dieser Zeit noch keine Stadtrechte besaß.
Amtmänner im eigentlichen Sinne hat es erst in der nassauischen Epoche Merenbergs gegeben und zwar mit der Schaffung des Amtes Merenberg. Als erster nassauischer Amtmann ist Antonius Schütz von Holzhausen (1435-1515) belegt.; Später ist dann die Verwaltung der Ämter Merenberg, Weilburg und des Löhnberger Anteils im Jahre 1532 in der Hand eines Beamten und zwar Georg v. Schönborns vereinigt worden. Nur zum Ausgang des 18. Jahrhunderts hat man dann aus verwaltungstechnischen Gründen das Amt Merenberg (1770) unter dem Amtmann Birke noch einmal selbstständig gemacht, um es dann wieder nach nur vier Jahren abermals, und zwar diesmal zusammen mit Löhnberg und Weilmünster, Birke wieder zu unterstellen.
Das innerhalb des Amtes Merenberg bestehende Gericht Allendorf- Hasselbach, das zur Hälfte Diezer Oberhoheit unterstand, ist gegen Ende des 17. Jahrhunderts von den Nassauer Grafen in ihrer Eigenschaft als Herren von Merenberg allmählich aufgesogen worden. Zu diesen Zeitpunkte umfasst das Amt Merenberg die Orte Merenberg, Allendorf, Hasselbach, Rückershausen, Reichenborn und Bang-Selbenhausen. Rückershausen wurde 1773 vom Amt getrennt und mit Neunkirchen und Hüblingen gegen das Löhnberger Viertel eingetausch. Als erster Keller (Rentmeister) des Amtes Merenberg erscheint 1414 Hermann von Morgkenbach. Amtsverwaltung und Kellerei der vereinigten Ämter Merenberg- Löhnberg sind dann später zusammengefaßt und bis zur Gründung des Nassauischen Staates am 12. Juli 1806 gemeinschaftlich verwaltet worden. Der im den Jahren 16O1/11 als einziger Rentmeister für Merenberg auftretende Jost Beutler hat dieses Amt wahrscheinlich nur vorübergehend begleitet.
Nach 1816 trat eine neue Amtsverfassung in Kraft, nach der Merenberg dem Amt Weilburg zugeteilt wurde. So blieb es dann, bis nach dem Kriege 1866 Nassaus Selbstständigkeit verloren ging. Durch eine Preußische Verordnung vom 22.2.1867 wurden die Ämter Weilburg, Runkel und Hadamar zum Oberlahnkreis vereinigt, Sitz der Verwaltung ist nun Weilburg, erster Landrat war Otto Hahn. Das Amt Hadamar ist dann allerdings später wieder abgetrennt und dem neu gebildeten Kreis Limburg zugeteilt worden.

Nach der Aufhebung der Ämterverfassung sind die von der Regierung berufenen Schultheisen als Verwalter der Gemeinden noch weiterhin in ihrem Amte verblieben. Das änderte sich aber als Erfolg der 1848er Bewegung, als an die Stelle der berufenen Schultheisen von nun an die frei gewählten Bürgermeister traten. Erster Bürgermeister in Merenberg war Johann Adam Bender.
Dass sich Merenberg trotz der ihm 1296 verliehenen Stadtrechte nicht zu einer solchen im eigentlichen Sinne des Wortes entwickelt hat, lag weniger an seinen Bürgern, als an den Zeitverhältnissen.
So konnte der Gemeindepfarrer Schmidtborn 1819 noch wenig von bürgerlichen Verhältnissen geschweige dann von Wohlstand der 564 Einwohner berichten, wenn er schreibt:
„Die Bewohner Merenbergs führen zwar gerne den Namen Bürger, sind aber größtenteils Ackersleute und nicht im Wohlstande. Der Boden ist schlecht und wenig ergiebig und der Dort (wahrscheinlich ein Unkraut) häufig unter dem Roggen. In der Nähe im Wald wird weißer Stubensand gegraben, so wie bei Weilburg Basaltsteine und gelber Sand." Der weisse Sand wurde früher über die blank gescheuerten Dielen der Wohnstuben gestreut. Es handelt sich dabei wahrscheinlich um Bimssteinsand bzw. Staub, der sich an der Nordhängen der benachbarten Berge abgelagert hat. Basaltsteine wurden am Steinbühl gebrochen, der gelbe Sand am Hasselbacher Stock als Quarzkies für den Wegebau verwandt. Der Bericht des Pfarrers erscheint im ersten Augenblick verwunderlich, denn seit der Stadtrechtsverleihung im Jahre 1290 waren immerhin über 500 Jahre vergangen und man hätte einen günstigeres Ergebnis erwarten können. Aber die Stadtrechtverleihungen, obwohl sie gewisse Freiheiten für den Bürger im Gefolge hatten, bedeuteten doch viel mehr für die Fürsten und Herren, die sie wohl zu nutzen wussten. Wenn man in den Äußerungen Schmidtborns auch im ersten Augenblick eine Geringschätzung der Landbewohner gegenüber dem Städter erblicken könnte, so sollte man das nicht tragisch nehmen, denn abgesehen von den Kreisen denen auch der Pfarrer angehörte, waren auch die „Bürger“ anderer Städte zum weitaus größten Teil kleine Leute.
Das hat sich natürlich inzwischen gründlich geändert, denn Sand und Steine, z.T. auch die Landwirtschaft spielen heute im Leben der Gemeinde längst nicht mehr die Rolle wie dazumal. Dafür sind andere Erwerbsmöglichkeiten getreten. Zwar verödeten mit dem Bau der Eisenbahnen, besonders auch der Lahnbahn um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts auch die alten Handelsstraßen, doch bis kurz nach der Jahrhundertwende fuhr noch täglich der Postwagen von Weilburg nach Rennerod. Mit dem Bau der Westerwaldquerbahn Herborn- Westerburg im Jahre 1910 verschwand auch dieser Rest alter Romantik. Die letzte Post.???...am 30.6 1910. So ist es verständlich, wenn heute ein Unterschied zwischen Land- und Stadtbewohnern nicht mehr erkennbar ist. Übrig geblieben ist nur der oft selbst zwischen einzelnen Dörfern unterschiedlich Dialekt. Praktisch gesehen gibt es heute überhaupt nur noch „Bürger", nachdem in letzter Zeit Städte und Dörfer zu Großgemeinden zusammengelegt wurden.
Wenn auch der einzelnen Gemeinde in der Folgzeit nur noch eine „Nummer“ verbleibt, so sollte damit ihre Entwicklung durch die Jahrhunderte hindurch doch nicht in Vergessenheit geraten.

Merenberger Kirchengeschichte.

Bei fast allen Burgen ihrer Zeit haben es die Erbauer nicht versäumt, auch für die geistlichen Bedürfnisse ihrer Bewohner durch Einrichtung zumindest einer Kapelle Sorge zu tragen. Man kann darum annehmen, dass dies auch bei der Errichtung der Burg Merenberg der Fall war, zumal in späteren Berichten wiederholt von einer Michaelskapelle als Schlosskapelle die Rede ist. Das könnte durchaus möglich sein, denn aus einer Katasterkarte des Jahres 1805 sind neben anderen Resten auch die Grundrisse eines Baues zu erkennen, der in seiner östlichen Schmalseite einen kleinen Chor als Abschluss zeigt, den man als Kapelle ansprechen könnte. Sie war natürlich nur für die Bewohner der Burg bestimmt.
Wenn dann der Burgmann Lenfried Wollensleger im Jahre 1296 eine Marienkapelle mit vier und zwar der Hl. Maria, und dem Hl. Antonius, sowie St. Katharina und Antonia als Patrone gestiftet hat, ist er einem dringenden Bedürfnis nach seelsorglicher Betreuung nachgekommen, zumal Merenberg inzwischen Stadtrechte erhalten hatte. Zur sicheren Fundierung seiner Stiftung hat Wollensleger schließlich auch noch einen ihm gehörigen Hof gestiftet und zudem die jeweiligen Herren v. Merenberg zu Kirchenpatronen bestimmt. Eine Erweiterung des Baues hat Graf Philipp II. v. Nassau-Weilburg 1461, durch den Anbau der oben genannten Burg- St. Michaelskapelle vorgenommen. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es sich bei der Marienkapelle mit ihren vier Altären doch um ein größeres Gotteshaus gehandelt haben muss, ist es möglich, dass es sich bei der St. Michaelskapelle um den jetzt wieder als Sakristei hergerichteten Raum gehandelt haben könnte. Die ehemalige Kapelle dürfte Anfangs auch für diesen Zweck benutzt worden sein, warum sie aber auf Veranlassung des Kaplans Wilh. Thamerus (1776/79) vom Kirchenraum abgetrennt und zu einem Keller degradiert wurde, ist nicht zu erklären. Erst vor wenigen Jahren hat man die damalige Fehlplanung durch Zufall entdeckt und den ursprünglichen Zustand, den Raum als Sakristei, wieder hergerichtet.
Einem ihrer früheren Altäre entsprechend führt die Kirche seit 1582 den Namen St. Antonius-Kirche. Sie wurde nach einer gründlichen Renovierung und Erweiterung im Jahr 1719 auch mit dem jetzigen Turm versehen.
Nach Einführung der Reformation durch Graf Philipp III. im Jahre 1526 sind die bisher gemeinschaftlichen Pfarreien Allendorf und Merenberg getrennt worden, letzteres wurde zur Kaplanei erklärt. Als erster evangelischer Pfarrer erscheint 1536 Christoph Kreich aus Niedershausen. Sämtliche bisherigen Stiftungen wurden in der neuen Pfarrei vereinigt. Im Jahre 1612 wurde aber Merenberg als eigene Kaplanei von Allendorf getrennt und dann schließlich aus Anlass des Reformationsfestes im Jahre 1817 eigenständige Pfarrei. Erster Pfarrer in Merenberg wurde der seitherige Kaplan Philipp Schmidtborn. Zur Pfarrei Merenberg gehören von da an außer Merenberg noch die Dörfer Rückershausen, Reichenborn und Barig-Selbenhausen.

Die Appenkirche.

Im Zusammenhang mit der Kirchengeschichte Merenbergs darf aber die Appenkirche nicht vergessen werden. Sie steht auf dem Friedhofe der Gemeinde und trug früher den Namen „St. Jakobskirche“. Wenn sie erbaut wurde, ist nicht bekannt, doch bereits 1413 wird sie urkundlich erwähnt. Ihren Namen soll sie angeblich von dem ausgegangenen Dorfe Appenkirchen erhalten haben.
Die Kirche ist aus massivem Mauerwerk erbaut. Das romanische Schiff hat eine flache Decke und an seinem Ende einen etwas kleineren quadratischen Chor mit Kreuzgewölbe. Ein anfänglich wohl auch vorhandener quadratischer Turm ist verschwunden. Dass die Kirche in Notzeiten als Zufluchts- und Verteidigungsbau benutzt worden ist, darauf deuten die heute noch sichtbaren Schießscharten im Mauerwerk hin.

In früheren Jahren hatte die Appenkirche als Wallfahrtskirche eine gewisse Bedeutung erlangt. Noch 1534 wurde sie als Filialkirche von Lahr von einem eigenen Pfarrer betreut, später aber der Pfarrei Allendorf bzw. Merenberg zugeteilt. Reste des alten Gestühles waren vor Jahren noch vorhanden. Die Appenkirche steht heute unter Denkmalsschutz und wurde nach dem letzten Kriege von der Gemeinde Merenberg zu einer würdigen Friedhofskapelle eingerichtet.

Ein 1819 auf dem Friedhofe noch stehender Taufstein ist leider verloren gegangen. Bis zur Erweiterung der heutigen Antoniuskirche im Jahre 1461 hat hier die Gemeinde ihre Gottesdienste abgehalten.

Wird Merenberg wieder katholisch ?

Das ist durchaus keine Scherzfrage und war im Jahre 1636 für die Merenberger von weitragender Bedeutung. Viele Landesherren jener Zeit waren als Folge ihres Religionswechsels beim Kaiser in Ungnade gefallen, darunter auch der Landesherr Graf Ernst Kasimir von Nassau-Weilburg. Sie mussten ihr Land verlassen und ins Exil gehen. In ihrer Bedrängnis suchten sie nach einem Ausweg, bzw. einem Manne, der beim Kaiser Fürsprache für sie einlegen könnte. Sie fanden ihn in dem Grafen Johann Ludwig von Nassau-Hadamar, der dann auch nach Wien ging, um die Gnade des Kaisers für seine Vettern wieder zu erwirken. Das war kein schlechter Griff, denn Johann Ludwig war als geschickter Diplomat seiner Zeit bekannt. Doch es lief alles anders, als man es sich vorgestellt hatte. Johann Ludwig war nämlich in Wien unter den Einfluss der Jesuiten geraten, die ihn dazu überreden konnten, wieder zur Kath. Kirche zurück zu kehren. Dass er unter diesen Umständen nicht mehr in der Lage war Fürsprecher für seine Verwandten zu sein, kann man ihm schließlich nicht übel nehmen, daß er aber versuchte das Land seines Weilburger Vetters und damit auch die Herrschaft Merenberg durch Kauf in seine Hand zu bekommen, war kein Zeichen verwandschaftlicher Verbundenheit.
Doch damit nicht genug, machte er nun auch den Versuch die Bewohner seiner Neuerwerbung durch den Einsatz der Jesuiten wieder zur römischen Kirche zurück zu führen. Das scheint aber dann doch nicht so recht gelungen zu sein, und mit der Rückkehr des Grafen Ernst Kasimir im Dezember 1648 ward der frühere Zustand wieder hergestellt. Die Tätigkeit der Jesuiten hatte immerhin einen Zeitraum von 6 Jahren umfasst und hier und da Erfolg gehabt. Da nämlich die Bewohner auf den geistlichen Zuspruch bei Taufe, Ehe und Tod bestimmt nicht verzichten wollten, konnte es vorkommen, dass ein Untertan katholisch getauft aber evangelisch getraut oder begraben wurde.

Die Merenberger Schule

Die Kirchengeschichte Merenbergs wäre unvollständig, würde man nicht auch dabei die Schul erwähnen. Schulen waren von Anfang an eine Angelegenheit der Kirche bzw. der Klöster. Das war auch in Merenberg nicht anders. Zwar hat sich das bis heute gründlich geändert, aber es ist noch gar nicht so lange her, dass mit der Abschaffung der geistlichen Schulaufsicht nach dem Kriege, der letzte Einfluss der Kirche auf die Schule abgeschafft wurde.
Auch in Merenberg wurde früher der Schulunterricht, wenn auch im Vergleich zu heute in bescheidenem Umfange, von der Kirche d.h. von dem Kaplan durchgeführt. Da Merenberg damals zur Allendorfer Kirche gehörten, mussten die Kinder nach dort auch zur Schule gehen, Mit der Einrichtung der Pfarrei Merenberg ist das dann allerdings anders geworden.
Letzter geistlicher Schulmeister in Merenberg war der Kaplan K. Phil. Ebenau (1760-63). Er wurde von Johann Gerlach aus Philippstein als erster Schulmeister abgelöst.
Der Unterricht selbst wurde zuerst in einem Privathause durchgeführt. Ein besonderes Schulgebäude wurde am 30. Oktober 1826 eingeweiht. Im Jahre 1958 hat Merenberg in Zusammenarbeit mit dem benachbarten Allendorf eine neue moderne Gemeinschaftsschule, die „Albert Wagner-Schule“ erbaut. Sie hat als erste Schule dieser Art im Oberlahnkreise eine besondere Bedeutung.

Merenberger Sehenswürdigkeiten.

Außer der Burgruine kann Merenberg doch auch noch einige Sehenswürdigkeiten aufweisen. Da ist zunächst einmal am Südhange des Burgberges das ins Auge fallende massive Bruchsteinhaus zu erwähnen. Dass es kein ehemaliges Bürgerhaus sein kann, wird auch der Laie erkennen. Zu welcher Zeit es erbaut wurde, steht nicht fest, man geht aber in der Annahme nicht fehl, dass es mit dem Burgenbau selbst in enger Verbindung steht. Das Anwesen war als Lehen der Sitz des Rittergeschlechtes der Rübsame von Merenberg, die um die Mitte des 15. Jahrhunderts ausstarben. Das stattliche Anwesen wurde alsdann zu einem Gutshause eingerichtet und von hier aus der zusammengezogene herrschaftliche Grundbesitz in der Gemarkung Merenberg bewirtschaftet. Trotz der zu Anfang des 17. Jahrhunderts und auch in den späteren Jahren durchgeführten Um- bzw. Erneuerungsarbeiten, kann das Haus auch heute noch seine ursprüngliche Bestimmung als Rittersitz nicht verleugnen. Es ist heute im Besitz der Erben Krämer in Merenberg. In seiner Nähe befindet sich auch der neu angelegte ehemalige Felsenbrunnen des Anwesens. Ein gleicher Brunnen befand sich auch außerhalb des Westtores links am Wege nach Heckholzhausen.
Als eine besonderes Sehenswürdigkeit muss man das Wohnhaus Mittelgasse Nr.:3 bezeichnen, das mit seinen Inschriften auf Fleiß und Bürgerstolz hinweist. Die an den Wohnhäusern mit den früheren Nr. 130 bzw. Nr. 4 an den Türstürzen angebrachten Inschriften waren im Jahre 1926 noch vorhanden, sind aber leider in der Zwischenzeit der Erneuerung der Eingangstüren zum Opfer gefallen.
Sehenswert sind auch die Reste der alten Stadtmauer durch ihren Umfang und das verwandte Baumaterial (Untergasse 9). Im alten Teile der Gemeinde sind bestimmt noch eine ganze Anzahl alter Fachwerkhäuser nachzuweisen, deren Freilegung das Bild wesentlich beleben würde, was aber wahrscheinlich an den heute erheblichen Wiederherstellungskosten bisher gescheitert ist. Auch das Westtor ist eine besondere Sehenswürdigkeit Merenbergs.

Inschriften am Hause Mittelgasse 3.

Beschwint
Dieweil wir beiden thun am Faß
binden kann auch wohl der gute Wein Klinken (blinken)
Im letzigten Jahr
M. Adam Braß sag ich vorwahr
Hat mich erbaut mit Gott, zu gedenken seiner in Leben und Tod.
Die Mittel dazu hat er erspart, Bis zu Seinem 61. vorigen Jahr bewahrt,
sein Handwerk hat er auch geliebet, darumb er sich an mir geübet
hat hier neben lassen aushauen wie es Jeder man mag anschauen,
alß ob er mit seim Sohn in Arbeit Stunde u. an einem großen Fas bunde
auch daß an Ihm erben Sollen alle seine Kinder mit wissen
So sie sich zur haltung biß zu seinem Tod (hergeben)
Als Kindern gebühret dies Ihnen Zum Lohn.

Inschrift im Türsturz des Hauses mit der ehem. Nr. 130

A n n o 1804

Deiner Güte, Herr behüte
dieses Haus vor Feuer und Brand,
dazu das ganze Vaterland.
Dieses Haus hat erbauet Konrad Dienstbach
und seine eheliche Hausfrau Lisa Dorothea Dienstbach.
Pfilipp Schard, Zimmermeister von Lahr D. 11. Maii.

Die gleiche Inschrift mit der Jahreszahl 1801 befand sich auch an dem von Johann Georg Meck (§) und seiner Ehefrau Johannette erbauten Wohnhaus Nr. 4.

Quellenverzeichnis:

Gregor, Hans Merenberg einst und jetzt
Kreisausschuss Oberlahn Eine Hand voll Welt
Kunigk, A. Land und Leute Nr. 4 / April 1965
May, K. H. Territorialgeschichte des Oberlahnkreises
Schmidtborn, Th. Die Meremburgk und ihre Dynasten
Spielmann, Christ. Geschichte der Stadt und Herrschaft Weilburg
Schmidt, F. A. Land und Leute Nr. 4 / April 1965, Nr.8 / März 1962
Heimatland I. II. 1920/24
Reuss, Karl Limburger Chronik des Tilemann Ehlen von Wolfhagen 1961
Janotha Geschichte des Grafen Johann Ernst von Nassau-Weilburg

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